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Tiroler Wirtshauskultur – einmal anders!

Foto: Bernhard Schösser

Seit 1313 steht der Isserwirt in Lans. Er ist eines von drei gutgehenden Tiroler Wirtshäusern in der kleinen Gemeinde, die malerisch südöstlich und erhöht über Innsbruck liegt. An den Wänden hängen verblichene Bilder längst verblichener Vorfahren und Prominenter, in der mittlerweile 15. Generation wird das Tiroler Gasthaus bereits von der Familie Raitmayr betrieben. Ein zentraler Punkt, quasi der "Altar" in der Gaststube, ist der ehrwürdige Kachelofen. Dieser erlebt einmal im Jahr, seit 28 Jahren, pünktlich Ende April eine Frischzellenkur, die ihm den letzten Ruß aus den antiken Fugen beutelt: das Veteranentreffen! Das alljährliche rockmusikalische Highlight, das weit über die Grenzen Tirols hinausstrahlt, veranlasst regelmäßig Vetera Weiber und Vetera Mander aus nah und fern dichtgedrängt an diesem heimeligen Kachelofen Platz zu nehmen.

No Bros Chef und seit kurzem auch "Innsbrucker Ehrennadelträger" Klaus Schubert, der General, hatte vor 28 Jahren die Idee zu diesem Treffen. Ursprünglich als "Rock`n`Roll-Meeting" für die ganz Harten tituliert, dürfte man sich im Lauf der Jahre dem eigenen, fortschreitenden Alter gebeugt haben, und so wurde kurzerhand das "Veteranentreffen", oder eigentlich das "Vetera", daraus. Es entstand ein Kultmeeting mit VIPs aus Musik, Kunst und Kultur, Wirtschaft, Sport und Politik. So musizierten schon Austropop Legenden wie Waterloo und Robinson, die Jazz-Gitti oder Reinhold Bilgeri vor dem antiken Kachelofen. Wichtig ist für den General ein immer neues, rockmusikalisches Programm, dessen einzige Konstante Schubert selbst mit seinen aktuellen Projekten darstellt. Eigentlich ist das Vetera ein speziell gestaltetes Bankett, jährlich neu abgestimmt mit "Suppenband", Hauptspeisband" und "Nachspeisband". Alle diese Bands und Musikanten haben eines gemeinsam: Auch sie bezahlen den alljährlich penibel indexangepassten Obolus zum Einlass in dieses immer bis auf den letzten Platz ausverkaufte Kult-Event. Seit nunmehr rund 20 Jahren als Conférencier, Moderator, "Generalhuldiger" und gelegentlich auch als Musiker ist Markus Linder ein weiterer Fixpunkt. Dieses Jahr trat er im schneidigen Schottenrock an, gemäß dem selbstgewählten Motto: "Linder in Rock!" Natürlich ist Österreichs bekanntester Fernsehpfarrer auch für die Einhaltung der Manieren ("Wollt ihr die Schnapsbar erst nach 5 Uhr Früh betreten?") zuständig, diese werden, in modifizierter Form, alljährlich wie in der Kirche im gemeinschaftlichen Gesang verkündet und festgelegt. Pünktlich zum Glockenschlag der nahegelegenen Pfarrkirche startet dann um 20 Uhr die "Suppenband", dieses Jahr die Gruppe "Dreirad". Dreirad sind u.a. seit mehreren Jahren in einem der größten Zelte am Münchner Oktoberfest gebucht und mit über 200 Auftritten im Jahr eine mehr als etablierte, finanziell erfolgreiche und sehr professionelle Cover Band. Auch sie spielen gerne vor dem Isser`schen Kachelofen. Oder Midriff, die aktuellen Metal-Heroes aus dem Tiroler Unterland: bereits zum zweiten Mal schaffte es das originelle Trio mit "Singing Drummer" und wahrem "Heavy Metal" den Staub der Jahrhunderte von der Decke des opulent getäfelten Festsaales rieseln zu lassen. Die Vetera Weiber und Vetera Mander waren auch heuer wieder restlos vom Dargebotenen begeistert.

Wie immer verliert sich die Spur des Generals und der letzten Getreuen in den Morgenstunden, ein abschließender Fixpunkt eines jeden Vetera ist jedoch der um Punkt acht Uhr morgens (also genau 12 Stunden nach dem Vetera-Startschuss) beim Isser`schen Frühstückstisch von all jenen, die praktischerweise ein Zimmer im Haus ergattern konnten, eingenommene und fast schon zelebrierte Fleischkäse mit einem Bier. Anschließend, und das ist ebenfalls schon Tradition, begibt sich der General mit Adjutant Linder gen Süden an den Lago der Innsbrucker, um sich dort ausgiebig von den Strapazen der Organisation zu erholen. Aber auch, um unter den Augen erstaunter Touristen, die den beiden verdienten Herren auch gelegentlich Autogramme abverlangen, an neuen Projekten und anstehenden Großtaten zur Erlangung künftigen Weltruhmes zu arbeiten. So auch am Vetera 2018! Somit steht einem in allen Bereichen genussvollen Abend auch kommendes Jahr nichts mehr im Weg! Und der altehrwürdige Kachelofen im Isserwirt zu Lans wird inzwischen höchstens wieder mit Klängen der heimischen Musikkapelle beschallt, hat also genau ein Jahr "Schonzeit"!

Redakteur: Bernhard Schösser