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Fotos: Archiv Tourismusverband Innsbruck & Bernhard Schösser

Alpin-Urban!

Freizeit Tirol traf die neue Geschäftsführerin Karin Seiler-Lall zum Interview um mit ihr über die weitere touristische Entwicklung der Region Innsbruck sowie ihre Aufgaben als Leiterin des TVBs mit dem größten Budget und den zweitmeisten Nächtigungen in Tirol zu sprechen.


"Alpin-Urban"?

Alpin-Urban ist der Markenkern nach innen, von dem in der ganzen Produktentwicklung und in der Wort-Bild-Sprache ausgegangen wird. Es ist kein Slogan, kein Claim, als Claim wird im Tourismus weiterhin "Hauptstadt der Alpen" verwendet. Alpin-Urban soll mit konkreten Produktentwicklungen und erlebbaren Leistungen belebt werden. Es ist wichtig, dass der Markenkern bei allen wichtigen Entscheidungen herangezogen wird und von allen Mitarbeitern auch verstanden und gelebt wird. Hierzu gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Stadtmarketing, dem Flughafen und zukünftig auch mit anderen Leistungsträgern.

Wie funktioniert das Zusammenwirken zwischen Stadtmarketing und Tourismusverband im "Kerngebiet Innsbruck"?

Das Zusammenspiel erfolgt auf Markenebene im Markenbeirat mit regelmäßigen Treffen. Hier geht es vor allem um die Umsetzung der gemeinsamen Markenkommunikation, d.h. auch um die Abstimmung von Logo-Anwendungen, gemeinsamer Bildsprache oder Wording. Mir sind aber auch ein Zusammenspiel im Hinblick auf Entscheidungen wie "in welche Produkte investiert man" oder "welche Events oder Kongresse will man holen" und solche Themen wichtig. Das Stadtmarketing ist auf den Tiroler Raum inkl. Südtirol und bis München konzentriert. Hier kann man eventuell noch besser nachschärfen, d.h. "Wo hört die Vermarktung des Stadtmarketing auf, wo fängt jene des Tourismus an" oder "Wer sind die Zielgruppen des jeweiligen Marketing"? Es gibt regelmäßige Treffen auf Umsetzungs- und auch auf Entscheidungsebene, was eine sehr gute Basis darstellt.


Wofür steht für Sie persönlich jetzt "Innsbruck und seine Feriendörfer"?

In all unserem Tun sollte immer die Frage als erstes kommen: "Wie denkt der Gast"? Sind z.B. die Feriendörfer rund um Innsbruck auch Feriendörfer aus der Sicht des Gastes? Serfaus, Ischgl oder Seefeld werden wahrscheinlich aus Sicht des Gastes anders wahrgenommen als Dörfer wie Axams oder Rinn, in denen überwiegend Einheimische leben. Auch stellt sich die Frage, ob der Gast in Norddeutschland zwischen südlichen oder westlichen Feriendörfern unterscheiden kann? Ich denke hier eher, dass sich der Gast - nach der Entscheidung für die Region Innsbruck - die primäre Frage stellt, ob er in der Stadt oder in der Umgebung, also am Land, übernachten möchte. Die Vermarktung der Feriendörfer sehe ich größtenteils über die Zugkraft der Marke Innsbruck, d.h. die starke Positionierung von Innsbruck als alpin urbane Urlaubsdestination. Generell ist in der Stadt ja fast keine saisonale Unterscheidung mehr vorhanden, Stadt ist ja oft ein Ganzjahresprodukt. Natürlich gilt es die Angebote aber auch saisonal zu schärfen. Aktuell ein großer Trend in Deutschland sind Leute, die Winterurlaub ohne Sport machen wollen, quasi "Wintergenuss". Also beispielsweise gemütlich rund um den Lanser See zu gehen oder auf eine Hütte zu fahren um dort entspannt einen Knödel zu essen. Das Potential ist mit neun Millionen Leuten etwa gleich groß wie die Gruppe derer, die Winterurlaub mit Schiern und Board verbringen wollen. Hier sehe ich für Innsbruck eine große Chance, weil sich ja das Produkt Schifahren ohnehin langfristig ändern wird, bedingt durch Klimawandel, Angebot, Preisgestaltung, Nachwuchsproblematik etc. Auch im Bereich Tagungs- und Kongressbusiness sehe ich noch viel Potential für Innsbruck und seine Feriendörfer. Eine engere Zusammenarbeit mit der Congress - Messe - Innsbruck, mit der Universität und auch mit der Standortagentur zum Thema aktive gemeinsame Kongress - Akquise würde ich sehr begrüßen und als langfristiges Projekt sehen.

Fokus oder Mischung aller Stärken?

Jede Stadt profitiert von einer klaren Positionierung mit den dazu passenden Produkten. Ich persönlich bevorzuge "weniger ist mehr" bei der Themenauswahl und Produktentwicklung. Vor allem in der Vermarktung sollte man sich auf die klar zur Positionierung passenden Spitzen-Produkte und Events konzentrieren. Neue Leuchtturmprojekte, die den Markenkern, wie u.a. die Faszination alpiner Bergwelt, avantgardistische Ästhetik, pulsierender urbaner Raum stärken und die auch ein junges, intelligentes und weltoffenes Publikum ansprechen, würden auf die Produktleitung einzahlen. Selbstverständlich kann der Gast das gesamte Angebot miterleben, doch in der Vermarktung müssen wir klar fokussieren: "Welche Produkte passen zu welchem Market", "Wer sind unsere Zielgruppen am Markt"? Die heutigen erfolgreichen Regionen im Alpenraum sind jene, die sich vor 25 Jahren fokussiert haben, mit allen Konsequenzen. Eine der ersten Hausaufgaben wird jetzt eine "5-Jahres Strategie" sein. Ich unterscheide hier klar zwischen "Strategie nach Innen" mit einer Untermauerung der Position "Alpin-Urban" und konsequenter Produktentwicklung. Sowie parallel dazu eine Strategie nach außen, d.h. eine Marktstrategie. Hier muss dann klar sein, mit welchen Produkten wir auf welche Märkte gehen. Wichtig ist es, etwas zu vermarkten, wo auch die Produktleistung stimmt, sonst ist der Gast enttäuscht. 

Redakteur: Bernhard Schösser