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Midriff - eine Zwerchfell erschütternde, nette Reisegruppe!

Foto: Bernhard Schösser


 

Die Tiroler Hardrockband Midriff bringt mit "Decisions" ihr mittlerweile drittes komplettes Album auf den Markt. Basser und Megabart Jeremy "Jele" Lentner lieferte kurz vor der CD - Release Show am 20.10.2017 im P.M.K. in Innsbruck einen Einblick in aktuelle Neuigkeiten aber auch Vergangenes aus der Welt der Langkampfner Betonmischer.


Wie kam es zur Gründung von Midriff?

Mein Bruder Josh und ich spielten 2008 in einer Schulband, die aus "schulband-typischen" Gründen bald wieder zerbrach. Da wir Rockmusik mit Männerstimme und fettem Drumsound machen wollten, war für uns beide klar, dass wir einen Sänger und einen Schlagzeuger suchen mussten. So hat ein ehemaliger Lehrer von mir Paul vorgeschlagen, den wir ohnehin schon ewig über unsere Familien kannten, da er auch aus Langkampfen ist. Paul wollten wir zuerst nur am Schlagzeug, da er aber beides kann, übernahm er auch den Gesang. Ein weiterer, wichtiger Punkt war der Bandname: Er sollte geil klingen, also nicht so "cheesig", und wichtig - den Rauschtest bestehen. Das heißt, dass auch Betrunkene den Namen noch aussprechen können! "Midriff" (auf Deutsch "Zwerchfell") passte perfekt für alles! So sind wir dann im August 2008 mit 15 Coversongs gestartet, für uns war es damals wichtiger, gut miteinander spielen zu können, als eigene Nummern zu schreiben. Ich spielte zu dieser Zeit noch Gitarre, als unser damaliger Basser aber zum Bundesheer einrückte, wechselte ich 2010 an den Vierseiter. Seither sind wir als Trio unterwegs.




Wie würdest du den Midriff-Sound charakterisieren?

Ganz klar als modernen Hardrock mit Einflüssen des modernen Metal. Das wohl deswegen, da wir sogenannte "klassische Bands" ebenso wie die modernen Metalbands hören. Würden wir mehr Doublebass spielen, und statt cleanem Gesang mehr "growlen", könnten wir sofort als moderne Metalband starten...


Eure Musik hat ja einen enormen Wiedererkennungswert..

Ja, ich glaube in Österreich gibt es keine Band, die so klingt. Wir haben nie den Zwang, nach etwas "klingen zu müssen", sondern es entsteht einfach automatisch. Hörbare Einflüsse wie Blackstone Cherry oder Alterbridge würde ich aus dem US-Bereich schon sehen. Auch unsere Produktion klingt nicht wie alle anderen, uns ist es wichtig, dass der Zuhörer auf der CD die Musik so zu hören bekommt wie sie auch live klingt.


Die neue CD heißt "Decisions", wie ist sie zustande gekommen?

Wir sind keine "Jam-Band", das heißt wir sitzen nicht im Studio zusammen und sagen: "Wir schreiben jetzt einen Song". Jeder von uns arbeitet selber an eigenen Ideen und Songstrukturen. Für das neue Album haben wir uns drei Monate ohne Konzert Zeit genommen, von November bis Jänner, und schrieben und produzierten viele Ideen. Trotzdem haben wir dann doch noch zwei oder drei Nummern im Studio erledigt, was aber kein großes Thema war, da wir unser eigenes Studio haben. Somit sind keine Mehrkosten entstanden. Das Ergebnis ist ein stark rifforientiertes, gitarrenlastiges und hartes Album, das eigentlich den Kurs des letzten Studioalbums "Doubts and Fears" weiterverfolgt. Also mit Musik, die uns selber super gefällt. Auch mit teilweise progressiven oder komplexeren Teilen. Unsere Songs sind nicht auf "Easy-Listening" oder Radio ausgelegt, manche davon sind sogar so gemacht, dass sie live sehr schwierig zu spielen sind.


Ihr produziert im eigenen Studio?

Das ist uns eigentlich auch eher passiert. Paul ist ein unglaublich soundaffiner Mensch, der nicht nur Midriff produziert, sondern auch andere Sachen macht. Er hat sich ein kleines Studio eingerichtet, dort werden Drums und Vocals aufgenommen, Gitarren und Bässe bei mir zuhause.

Wovon handeln die Texte?

Paul und ich schreiben die meisten Texte. Bei unserer aktuellen Single "Burn The Bridges" geht es um ein Gefühl, das eigentlich jeder schon mal erlebt hat: Wenn man mit einer Sache oder einer Person abschließen will, es aber nicht übers Herz bringt. Das ist auch im Albumtitel "Decisions" enthalten. Den Text zu "Walls Down" habe ich in Isreal geschrieben, er handelt davon, in einem Land gefangen zu sein, wo man eigentlich gar nicht sein will, also ein "einsperrendes" Gefühl. "Mountain" ist ein Song von Paul, der den "inneren Schweinehund" zu überwinden als Inhalt hat. Also etwas zu erreichen, der Berg steht hier als Metapher. Wir machten kein Konzeptalbum, sondern voneinander abgeschlossene Songs. Die Texte sind eher Stories, die passieren oder passieren können. "Palace of Tears" habe ich nach einem Museumsbesuch im "Tränenpalst" in Berlin geschrieben, er behandelt den Ost-Westkonflikt von Berlin, der die Stadt geprägt hat. Wobei wir keine politischen Texte machen oder mit unseren Texten die Welt verbessern wollen. Durchaus spielen aber die aktuelle Lage, Fanatismus oder die eher bescheidene Stimmung auf unserer Welt mit hinein.

Wie funktioniert euer Vertrieb?

Wir haben uns nach mehreren Angeboten dazu entschlossen, den Vertrieb mit einem eigenen Label selbst zu machen. Es wurden uns vorher mehrere Verträge angeboten, wo du nichts verdienen kannst. So müssen wir unsere Tantiemen nicht an andere weitergeben. Da Josh und ich in den letzten Jahren ohnehin sehr viel im Bereich "Selbstvermarktung" gemacht haben, war das ein logischer Entschluss. "Soulfood" vertreibt unsere CDs und Tonträger in Europa, weltweit haben wir einen Dienstleister, der den digitalen Vertrieb für uns erledigt. Allerdings sind wir eine Band, bei der digitale Downloads eher zweitrangig sind. Vinyl und CDs sind bei uns ein starkes Thema. Zusammen mit Merchandising erfolgt der Verkauf vor allem bei Konzerten und auf den bandeigenen Vertriebskanälen im Internet. Erst dann gehen wir zu Onlineshops wie Amazon, denn je mehr Kanäle du anbietest, desto weniger weiß der Kunde, wo er kaufen soll.

Singing Drummer oder Drumming Singer?

Ja, es gibt tatsächlich nicht viele Bands, die einen singenden Schlagzeuger haben. Daher muss auf der Bühne links und rechts mehr passieren, als nur zu spielen. Jeder von uns Dreien wird hier vor eine massive Fitnessaufgabe gestellt, jeder muss immer die volle Leistung bringen, sonst würde die Performance sehr leiden. In kleinen Clubs hat das aber den Vorteil, dass sich das Publikum schneller noch vorne traut, da die Leute alles sehen wollen. Auf großen Bühnen haben wir dann einen Drumriser im Einsatz, damit Paul gut sichtbar ist.


Ihr seid ja eine bekannt gute Liveband - was sind für Touraktivitäten geplan
t?

Nun, wir haben seit 2012 rund 300 Konzerte in ganz Europa gespielt. In der Schweiz machen wir für die "Decisions-Tour" eine "Warm-Up-Show" in Trübbach im Kanton St. Gallen. In Innsbruck gibt`s dann am 20. Oktober die große CD-Release Show im P.M.K., anschließend gehen wir mit unseren Freunden von "The New Roses" in Österreich und Deutschland auf Tour. Das ist ein sehr tolles Tourpaket, da "The New Roses" in Deutschland aktuell sehr erfolgreich sind, während wir in Österreich bei den Shows ein toller Partner für sie sind und beide Bands eine neue CD auf dem Markt haben.

Plant ihr den Schritt in die USA?

Das ist unpackbar schwierig wegen der Arbeitsvisa, die kosten zu viel Geld. Umgekehrt ist es für die Amerikaner einfacher: Sie gelten in Europa immer (noch) als Stars, und haben es somit leichter. Wir arbeiten einfach hart weiter. In Wahrheit bietet der europäische Markt ohnehin enormes Potential und viele Möglichkeiten, alleine schon im deutschsprachigen Raum.


Wie kann man sich das Tourleben von Midriff vorstellen?


Völlig unspektakulär! Unser Vater fährt den Tourbus, wir sind fünf Leute inklusive unserem Tontechniker und seinem kleinen Chiffava. Wichtig sind unsere Tablets mit Netflix und Amazon Prime zum Filmschauen - gelegentlich auch zum Arbeiten. Wir haben uns ja als Familie nicht wirklich etwas Neues zu erzählen, da alles schon lange vorher bekannt und besprochen ist! Grundsätzlich würde ich uns auf Tour als eher langweilig bezeichnen, eine nette Reisetruppe. Finanziell ist eine Tour ohne Merchandising allerdings nicht realisierbar.


Redakteur: Bernhard Schösser