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Nina Proll - Vorstadtweiber & die Lieder eines armen Mädchens

Sie ist im Waldviertel geboren. Ihre künstlerische Laufbahn begann in Wien. Seit 10 Jahren ist sie Wahltirolerin, bedingt durch die Hochzeit mit Schauspielkollegen und Herzbuben Gregor Bloéb. Seit Jahren gilt sie im österreichischen Fernsehen und Kino als fixe Größe bedeutender Produktionen, zuletzt bei den Vorstadtweibern als "Nico". Zusätzlich macht sie nebenher eigene Filmprojekte, musiziert, erreichte bei Dancing Stars erfolgreich Runde sieben und wirkt wie eine künstlerische "Tausendsasserin" - Nina Proll. FREIZEIT-TIROL traf die charmante Blondine in Telfs zum ausführlichen Gespräch.

Nina, du bist ja bekanntermaßen eine vielseitige und vielbeschäftigte Künstlerin. Was dürfen wir am 29.September in Telfs erwarten?

"Lieder eines armen Mädchens". Benannt nach dem gleichnamigen Liederzyklus, den Friedrich Hollaender in den 1920er Jahren für seine erste Frau komponierte. Dieser etwas andere Liederabend beleuchtet das Schicksal einer fiktiven Sängerin aus den 20er Jahren: Ein Leben aus der unteren Schicht auf dem Weg auf die Bühne. Eine Reise aus den Clubs in Deutschland auf der Flucht vor den Nazis nach Paris, dann weiter nach New York und anschließend am Ende des Krieges wieder in die Heimat zurück. Ich habe diesen Liederabend jetzt nach rund drei Jahren Pause wieder aufgenommen. Es freut mich besonders, dass ich damit am 29. September in Telfs auftreten kann. Es sind lustige, teilweise aber auch sehr melancholische Lieder dabei, die die Zwischenkriegszeit ganz gut beschreiben. Im Programm wechseln sich bekannte Nummern wie "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre" oder "Wenn ich mir was wünschen dürfte" mit einer Menge unbekannter, ganz toller Lieder ab. In den letzten zwei Jahren bin ich mit den "Vorstadtliedern" sehr viel herumgetourt. Das war eine große, fast schon bombastische Produktion mit jeder Menge Kostümen, mit Tänzern und einer Band. Dem gegenüber steht dieser Liederabend, der sehr schlicht ist: Da bin nur ich, ein Kostüm und das "Trio de Salon", drei Musiker mit Geige, Ziehharmonika und Kontrabass. Diese Produktion lebt von den Texten und wie wir das interpretieren. Ohne großen Schnickschnack.

Somit eher ein seltenes, rares Kulturerlebnis?

Ja, genau. Eine Produktion, die teilweise melancholisch ist, zum Nachdenken anregt, ans Herz geht. Gerade deshalb wird dieser Abend von den Besuchern sehr geschätzt.

Von den Vorstadtliedern zu den Vorstadtweibern....


Aktuell arbeite ich an der vierten Staffel. Wir drehen bis Ende August, dann gibt`s eine Pause. Anschließend wird nochmals von Mitte Oktober bis Ende Dezember gedreht.

Was kannst du vorab verraten?

Meine Figur, Nico, versucht wieder ins Berufsleben einzusteigen. Ob ihr das gelingt, kann ich aktuell (bei Folge fünf) selber noch nicht sagen, auf jeden Fall schmiedet sie recht hochtrabende Pläne. Man erfährt auch etwas mehr über sie, woher sie kommt oder wer ihr Vater ist. Diesen, meinen Vater, spielt übrigens Karl Fischer. Es gibt ein paar andere Neuzugänge. Als neue Vorstadtbewohnerinnen mit dabei sind u. a. Andrea Eckert, Brigitte Hobmeier, Ines Honsel oder Alina Schaller. Außerdem gibt es natürlich wieder einen Mordfall, der gelöst werden will. Gerti Drassl (als Maria Schneider) hat sich ja nach Indien verabschiedet, ebenso ist Philipp Hochmair (als Joachim Schnitzler) seit dem Ende der Staffel drei inhaftiert und somit ebenfalls nicht (mehr) dabei. Prinzipiell wurschteln die Vorstadtweiber nach wie vor so vor sich hin und versuchen mit möglichst wenig Einsatz das maximale Glück heraus zu holen, wobei sie immer wieder über sich selbst stolpern.

Die Vorstadtweiber zeichneten sich ja speziell in den ersten zwei Staffeln durch bissige Momentanaufnahmen der politischen Szene in Österreich aus, wobei manches unglaublich lebensnah wirkte.


Ja, das ist eine Stärke, dass auch die Männerfiguren so gut sind. Es gab ja lustige Zufälle: In unserer Folge Montagabend tritt der Kanzler zurück, am selben Tag tat das im wahren Leben tatsächlich der damalige österreichische Bundeskanzler Werner Faymann kurz vorher. So etwas kannst du als Drehbuchautor nicht timen! Auch mir haben diese Einblicke in die Politik gut gefallen, ohne dass man Namen oder Parteien nannte, hat sich jeder gedacht: Ja, das könnte der oder der sein...

Du hast mit "Anna Fucking Molnar" kürzlich ein eigenes Projekt realisiert, worum geht es dabei?

Es ist mein erstes Drehbuch. Ich habe es mit meiner Co-Autorin, Ursula Wolschlager, entwickelt, die es auch produziert hat. Ich habe über mehrere Jahre geschrieben, umgeschrieben, gekürzt und verdichtet. 2016 gab es dann sehr kurzfristig die Zusage von Förderungen, das war Anfang Mai. Am 3. Juli war dann Drehbeginn. Zum Glück hatten wir die Besetzung großteils fixiert und mussten wenig verändern. Allerdings: Uwe Ochsenknecht als mein Vater war Glück. Er hat innerhalb eines halben Tages zugesagt. Im Film geht es um eine Schauspielerin in der Lebenskrise: Sie verliert Job, Wohnung und Lebensgefährten (Gregor Bloéb) und zieht wieder bei ihrem Vater ein. Einzig ein Feuerwehrmann (Murathan Muslu) steht ihr in dieser Situation bei. Sie will sich mit ihm in eine Affäre stürzen, um den Schmerz zu verdrängen. Jedoch seine Potenzprobleme machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Somit muss sie sich mit ihrem eigenen Leben tatsächlich auseinandersetzen und kämpft sich zurück. Es ist eigentlich eine Liebeskomödie für Erwachsene - ab 16! Der Film lief letzten November in den österreichischen Kinos, sehr erfolgreich, mit über 40.000 Besuchern. Das ist die magische Grenze in unserem Land, da kannst du wieder mit Förderungen für deinen nächsten Film rechnen. Und ich arbeite mit Ursula Wolschlager ja bereits an einem neuen Projekt. Aktuell ist übrigens gerade die DVD von "Anna Fucking Molnar" auf den Markt gekommen.

Wir kommen nach Tirol....


Vor ziemlich genau 10 Jahren habe ich hier geheiratet. (Nina Proll deutet auf das Standesamt Telfs hinter sich und lacht). Jetzt lebe ich hier in der Nähe auf einem alten Gutshof.

Wie kann man sich das Leben im Hause Proll-Bloéb vorstellen?

Sehr laut kann man sich das vorstellen. Nein, eigentlich erstaunlich harmonisch. Wobei die Schule der Kinder unser einziger Fixpunkt ist. Jede Woche ist bei uns, bedingt durch unsere Engagements, anders. Wir versuchen uns so zu organisieren, dass die Kinder ihren Alltag und ihre Routine behalten, damit sie nicht herausgerissen werden, wenn wir irgendwelche Jobs haben. Meistens ist ja einer von uns beiden nicht zu Hause. Ich selber arbeite selten hier in der Umgebung. Job bedeutet für mich meistens "Reise". Umso mehr freue ich mich, wenn ich in Tirol arbeiten kann. Speziell jetzt mit "Lieder eines armen Mädchens" in Telfs! Ich bin mehr bei Filmprojekten engagiert, Gregor hingegen spielt mehr Theater. Eigentlich zwei bis drei Stücke gleichzeitig. Im Oktober hat er Premiere am Burgtheater in Wien, parallel ist er auch in einem Stück in Hamburg zu sehen.

#MeToo?! Du hast ja letzten November mit deinen Aussagen eine breite Debatte ausgelöst. Wie siehst du die Sache heute?

Nun, Ich denke, es gibt in allen Branchen Einzelpersonen, die sich nicht korrekt verhalten. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber in meiner Branche bin ich persönlich mit dem Thema "sexuelle Unterdrückung" noch nie konfrontiert worden - Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, dass man beim Film Schauspielerinnen extrem gut behandelt und hofiert, fast verhätschelt. Frauen kriegen hier auch nicht weniger bezahlt als Männer. Ich denke generell, dass die Frauen heutzutage emanzipierter sind, als manche meinen Und wenn viele Frauen heute "nur" Hausfrauen sind oder Teilzeit arbeiten, so tun sie das nicht, weil sie unterdrückt werden oder nicht emanzipiert sind, sondern einfach, weil sie sich dazu aus freien Stücken entschlossen haben oder es einfach so wollen. Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass nicht jede Frau Karriere machen will und es ein Herzenswunsch vieler Mütter ist, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.


Redakteur: Bernhard Schösser
Fotos: Nina Proll, Robert Niederl, Bernhard Schösser