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Foto: Bernhard Schösser

55 Jahre Alpenzoo Innsbruck

Der Innsbrucker Alpenzoo wurde heuer 55 Jahre alt. Mit 26 Dienstjahren ist Michael Martys fast die Hälfte dieser Zeit als Direktor des Tiergartens unterhalb der Hungerburg tätig. Mit Ende des Jahres geht Martys in den wohlverdienten Ruhestand. Auf der sonnendurchfluteten Terrasse des neuen Lokals "Animahl", hoch über der Landeshauptstadt und mitten in seinem Reich, lässt er die Geschichte des Zoos, aber auch sein persönliches Wirken, nochmals Revue passieren.


Während in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts mehr und mehr exotische Tiere in den Zoos und Tierparks Mitteleuropas auftauchten, hatte der Tiroler Hans Psenner eine Vision: Die heimische Tierwelt in einem Zoo darzustellen, um der Bevölkerung die Tiere zugänglich zu machen und sein Wissen über diese Tierwelt weitergeben zu können. Hatte Psenner anfänglich Murmeltiere und Wiesel in seinem privaten Garten zu Gast, erfolgte 1962 mit der Gründung des Alpenzoos der Start dieses weltweit einzigartigen Themenzoos der Alpen. Psenners Nachfolger, Helmut Pechlaner, der seit 1972 zunächst als Assistent und ab 1979 als Direktor im Alpenzoo tätig war, legte den Grundstein zur internationalen Positionierung des Tiergartens. Mit enormem Marketinggeschick gelang es Pechlaner, den Alpenzoo weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen.

Als Michael Martys Anfang 1992 seine Tätigkeit als Direktor begann, lief der Zoo Gefahr zu überaltern. Die Gehege waren in die Jahre gekommen und somit nicht mehr zeitgemäß. Beim damaligen Bürgermeister von Innsbruck, Herwig van Staa (der bis heute Präsident des gemeinnützigen Vereines des Alpenzoos ist), fand Martys ein offenes Ohr und die Unterstützung, um den Zoo in die Zukunft zu führen. Es war eine wichtige Richtungsentscheidung darüber, wie sich der Alpenzoo heute modern und zeitgemäß präsentiert: In großen Gehegen leben Tiergemeinschaften im Lebensraum Zoo, so wie sie auch in freier Natur gemeinsam vorkommen. Beispielsweise Bartgeier mit Murmeltieren und Alpenkrähen oder Schneehasen zusammen mit Birkhühnern und Tannenhähern. Ein enormer Erfolgsfaktor beim Publikum ist es, dass diese Gehege betreten werden können, und die Besucher somit keine störenden Gitter vorfinden. Ein weiterer wichtiger Schritt beim mittlerweile fast gänzlichen "Neubau" des Alpenzoos war es, in der Höhenverteilung eine Ordnung nach dem tatsächlichen Lebensraum der Tiere zu schaffen. So sind die Steinböcke, die in freier Wildbahn rund um die Berggipfel leben, im Innsbrucker Alpenzoo - zusammen mit Bartgeier und Murmeltier - am höchsten Punkt des Areales beheimatet. Wildkatzen, Bären, Luchse und Wölfe sind im Bereich "Wald" mit den dazugehörigen Vogelarten quasi "in der Mitte" angesiedelt. Das Themenfeld "Wasser" beginnt bereits beim Eingang mit dem Bibergehege und setzt sich über das Aquaterrarium und Aquarium bis zum Ententeich fort.

Diese Ordnung in das Tierprogramm zu bringen, war für Martys wichtig und gleichzeitig das Zukunftsmodell des Zoos. Auch der "Schaustall", als "Mensch-Tier-Begegnungszone", stellt für Martys einen wesentlichen Bildungsaspekt dar, speziell für die Kinder: Nur wer ein Tier - im doppelten Sinn - "begreift", lernt es kennen. Das Verstehen und gleichzeitig das Verständnis zu wecken, lässt sich durch dieses emotionale Tiererlebnis noch weiter vertiefen und führt neben der Tierliebe auch zur Bereitschaft für den Schutz von gefährdeten oder bedrohten Arten einzutreten. Mit der Nachzucht und der Wiederansiedlung von Steinböcken oder dem Wappentier des Alpenzoos, dem Bartgeier, hat der Tiergarten hier bereits sehr früh eine führende Rolle übernommen.

Eine Sternstunde in der Zeit von Direktor Martys war die Handaufzucht von Wölfen mit Hilfe von "Wolfsmutter" Pascale aus Luxemburg 1999 und 2007. Auch die mehrmalige Nachzucht von Wasseramsel und Eisvogel sieht der Langzeitdirektor als ein Highlight während seiner Tätigkeit, gelten diese Vögel doch als sehr anspruchsvolle und schwierig zu haltende Arten. Einen wichtigen Teil dieses Erfolges misst Martys dem äußerst engagierten Team in der Tierpflege des Alpenzoo bei, welches mit viel Begeisterung und profundem Wissen an die tägliche Arbeit herangeht. Nur so können solche einzigartigen Erfolge in der Tierhaltung erzielt werden. Dass sich die Tiere im Alpenzoo offensichtlich sehr wohl fühlen und gesund und lange leben, beweisen verschiedene Altersrekorde: Der Rabe "Jakob" mit 30 Jahren, Wisentbulle "Hero", der mit 18 Jahren immer noch altersgemäß in bester Verfassung ist, oder die Bartgeier, die sogar 50 Jahre alt wurden.

Der Alpenzoo stellt eine bedeutende kulturelle Einrichtung des Landes Tirol dar. Die Einnahmen der jährlich rund 300.000 Besucher reichen aber nicht aus, um sämtliche Ausgaben zu decken. So trägt der Förderverein "Freunde des Alpenzoo" mit rund 7.000 Mitgliedern, Tierpaten und langjährigen Partnern bzw. Sponsoren (auch als Meinungsbildner und Netzwerk) ebenso zum Ausbau des Zoos bei, wie die Förderungen von Stadt Innsbruck und Land Tirol. Jedoch werden 75 Prozent der Kosten des Tiergartens mit seinen rund 30 Mitarbeitern über Einnahmen und Erlöse selbst finanziert.

Für die Zeit nach seiner Tätigkeit als Direktor plant Michael Martys bereits jetzt, noch mehr Besucherbetreuung und Informationen aus erster Hand im Alpenzoo anzubieten: So könnte es künftig "Tierpflegergespräche" geben, die es den Besuchern ermöglichen, im Rahmen von Fütterungen direkt mit den Pflegern in Kontakt zu treten. Gegenwärtig wird dieses Thema bei den Sommerabendführungen schon sehr gut angenommen. Auch seien im Marketing noch neue Wege offen, beispielsweise Pakete, die nicht nur den Besuch des Zoos beinhalten, sondern spezielle Führungen verbunden mit einem Besuch des 2016 eröffneten Lokals "Animahl" im Alpenzoo. Ein weiterer Punkt, der Michael Martys wichtig ist, ist die Darstellung der "verborgenen Tierwelt" - nicht nur für die Kinder, die ohnehin aktuell von Laubfrosch und Feuersalamander unheimlich begeistert sind. So sollen neben den "großen" Tieren wie Steinbock, Elch oder Bär künftig auch die "kleinen" Tiere wie Schnee- oder Zwergmaus, Insekten oder Schmetterlinge in entsprechenden Terrarien zu sehen sein. Das könnte auch für die heimischen Fledermäuse gelten, von denen immer wieder Findlinge abgegeben werden. Eine weitere räumliche Ausdehnung des Alpenzoos schließt Direktor Martys eher aus. Einerseits wegen des steilen Geländes in Richtung Hungerburg. Andererseits ist der Besucher aktuell schon zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden auf Entdeckungsreise im Tierreich. Der Alpenzoo ist übrigens ganzjährig, täglich ab neun Uhr Vormittag, geöffnet. Michael Martys wird wohl auch künftig dort noch öfter anzutreffen sein.


Redakteur: Bernhard Schösser