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Edenbridge Bandmitglieder

CD Review: Edenbridge - Dynamind

Musik ist bekanntlich dann am besten, wenn sie ihre Hörer auf mehreren Ebenen anspricht. Bei Edenbridge ist genau das der Fall: Die Songs der österreichischen Melodic Metal-Formation besitzen neben ihren symphonischen Qualitäten immer auch eine wichtige emotional-spirituelle Seite. Dies gilt nicht nur für die bisherigen Veröffentlichungen der Band, sondern insbesondere auch für ihr neues Album "Dynamind", das Ende Oktober veröffentlicht wurde.

Die atmosphärisch dichten Kompositionen der Scheibe, auf der erneut vor allem Kreativchef/Multiinstrumentalist Lanvall und Sängerin Sabine Edelsbacher das Geschehen diktieren, vereinen Melodie und Groove, Härte und Sensibilität, Gefühl und Verstand, Geist und Unterbewusstsein. Das zehnte Studioalbum der frauengepowerten Symphoniker umfasst zehn Songs mit etwas mehr als 55 Minuten Spielzeit. Wer Edenbridge schon kennt und mit ihren bisherigen Werken vertraut ist, kann sich auf viel Altes und wenig Neues einstellen oder mit anderen Worten: "Wo Edenbridge draufsteht, ist Edenbridge drin!" Wer die Band noch nicht kennt, aber mit harmonisch-melodiöser, hart-metallischer Symphonik sympathisiert, sollte sich auf folgende Ingredienzen gefasst machen: Anspruchsvolle Akkordfolgen (mehr der Klassik, weniger dem Rock zuzuordnen), bisweilen bombastische Chöre und mittelhoher/voller/warmer Damengesang, opulente Orchestrierungen, recht "gerade" Rhythmen, sparsame (Gitarren-)Soli und viel Verzerrung. Mit anderen Worten: Sowohl harmoniesüchtige Melodiker als auch hammerharte Metaller werden befriedigt!

Ausnahmen bilden das vorab veröffentlichte "On The Other Side" mit völlig beabsichtigtem Folk-Flair (Irish Folk aus Österreich?), der über 12 Minuten dauernde Longtrack "The Last Of His Kind" (inklusive meditativer Mitte und erschlagendem Schluss) und dann - last not least - das atmosphärische Titelstück "Dynamind", ganz am Ende der Scheibe und ganz ohne Bass, Gitarren und Schlagzeug - ein starker Abgang! Bereits vor seinem eindrucksvollen Ende überzeugt Dynamind durch Vielschichtigkeit und enorme kompositorische Reife, eine Scheibe, die eigentlich keine(n) "Filler" hat! Kein Zweifel: Auf Dynamind ist es Lanvall erneut gelungen, seinen zehn neuen Kompositionen trotz ihres Facettenreichtums eine jederzeit klare, nachvollziehbare Struktur zu verleihen. Gleichzeitig schaffen es Edenbridge, aus den unterschiedlichen Temperamenten ihrer nach Eigendefinition bis dato härtesten und auf eine dynamische Live-Umsetzung ausgerichteten Scheibe ein homogenes, in sich geschlossenes Werk zu kreieren. Anspieltipps neben den schon genannten Nummern sind die Titelnummer "The Memory Hunter", das treibende "What Dreams May Come" oder "All Our Yesterdays".

CD Cover Edenbridge Dynamind

Gemischt hat die neue Scheibe - wie schon die Vorgänger "The Grand Design" (2006), "Myearthdream" (2008), "Solitaire", (2010) "The Bonding" (2013) und "The Great Momentum" (2017) - Karl Groom (Threshold). "Karl und ich ergänzen uns perfekt", erläutert Lanvall, der zwei Wochen lang in den englischen "Thin Ice Studios" gemeinsam mit Groom an den letzten wichtigen Stellschrauben gedreht hat. "Während ich klare Vorstellungen vom Klang eines neuen Edenbridge-Albums habe, besitzt er das notwendige Fachwissen als Toningenieur". Apropos Fachwissen: Das Mastering wurde erneut von Mika Jussila (u.a. Stratovarius) in den renommierten Finnvox Studios übernommen, als Gastsänger hat abermals Thomas Strübler für große Chöre und mehrstimmige Gesänge gesorgt. Neu in der Band dagegen ist Bassist Stefan Gimpl, der auch der bayerischen Formation Crystallion angehört und gemeinsam mit Dominik Sebastian (Lead- & Rhythmusgitarren) und Johannes Jungreithmeier (Schlagzeug) die aktuelle Edenbridge-Besetzung komplettiert. Ein überaus vitales Line-Up übrigens, das ebenfalls mit dem Wort "Dynamind" perfekt beschrieben ist.


Redakteur: Bernhard Schösser