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Veranstaltungsbericht: Otto – Holdrio Again!

Es gibt in meiner Erinnerung an die Kindheit einige Fixpunkte: Den nasenreibenden Wickie (der dann immer die Sterne sah, längst bevor ich wusste, dass es Kokain gibt!), Pippi Langstrumpf, den Knallroten Autobus, Karlsson vom Dach, die früherotisch aufregenden Tanten von Am-Dam-Des und Otto! Tatsächlich, seit ich in irgendeiner Art Medien konsumierte, war der ostfriesische Götterbote immer präsent. Waren es anfangs Kassetten (die präkambrischen Vorreiter der MP3s!), Vinylschallplatten oder Fernsehauftritte, gab es bald auch eine Serie von Kinofilmen! Mittlerweile ist Otto Kult für mehrere Generationen, und so war es eine feine Aufgabe dem humorigen Altmeister bei seinem Auftritt in Innsbruck einen Besuch abzustatten.

Die Olympiahalle ist zu Ehren des musizierenden Kalauerkönigs richtig gut gefüllt, Parkett und Tribünen weisen nur sehr wenig bis gar keine freien Plätze mehr auf. Beginn laut Ticket ist 18.07 Uhr, das dürfte wohl eher den Kindern im Publikum als der an diesem Tag stattfindenden Bundestagswahl in Deutschland geschuldet sein. Über die Videoleinwand auf der Bühne, die zwischen dem „Otto Huus“ und dem Leuchtturm hängt, läuft Werbung: Allerdings eher humoristisch aufbereitet, quasi ein „Warm-Up“ auf das, was folgen sollte. Otto lässt sich nicht lange bitten und entert via Leuchtturm, mit einer Ottifantengitarre bewaffnet, die geräumige Bühne. Tosender Applaus, Otto grinst, wie er fast unaufhörlich den ganzen Abend mit dem schon seit fast 50 Jahren eigenen „Otto-Grinsen“ grinst. Wenn er nicht aus gespielter Verzweiflung über sein Publikum andere Grimassen schneidet. Eingangs werden alle Besucher aus nah und fern begrüßt, Otto zählt eine Unmenge an einheimischen Orten bis zum kleinsten Dorf in Tirol auf. Dann eine kurze Checkliste für eine fiktive TV-Übertragung, erstmals kommen die Leute in den ersten Reihen auch in den Genuss von Ottos Wasserspritzkünsten! Weiter geht es mit dem „Eurovisions-Contest“: Otto, als gelernter Musiker, ist voll in seinem Element. Überhaupt stellen die humoristisch entfremdeten, musikalischen Einlagen bekannter Songs seit jeher einen zentralen Bestandteil der Otto-Shows dar. Weitere Eck- und Ankerpunkte: Die Zwerge und die Ottifanten! Ottifanten aus Plüsch werden dann auch vor der Pause an die Kinder verteilt, während Otto „Zehn kleine Ottifanten“ singt. Insgesamt wird das angesammelte Lebenswerk des Ostfriesen zu einem äußerst unterhaltsamen Potpourri gemischt, beispielsweise Faultier Sid (aus Ice-Age) als Handpuppe oder „DSDSZ“ (Deutschland sucht den Super Zwerg!). Unvermeidlich oder doch unverzichtbar: Neue Episoden von „Hänsel und Gretel“ – heute unter anderem mit „Atemlos durch den Wald“ und das ebenfalls ins Unendliche variierbare „English for Runaways“, das dieses Mal mit Handy und Internetbegriffen doziert wird: „Selfiestick?“ – „Der Vibrator!“ Bei „Otto`s Bäckerei“ gibt`s dann nochmals volle Bedienung für die ersten Reihen: Mehl, Salat und Wasser werden verabreicht, sogar ein Ei findet als Wurfgeschoss den Weg ins Publikum.

Politisch bleibt Otto auch am Wahlabend unpolitisch. Seine Ansage: „Wir hatten heute ja Wahl“ endet dann in einem Reimgewitter, z.B. „Macht die Frau beim Schaffen schlapp, wie lang ist ein Giraffengrab“ – das war`s dann auch schon. „Wahl“ bei Otto ist nicht gleich politische Wahl sondern eine Auswahl vieler Reime und Absurditäten. Auffallend ist, dass Otto das Publikum permanent in seine Show mit einbindet: Bei „Mein Song“ singt die Olympiahalle textsicher verschiedenste Schlager während der Meister dezent auf der Gitarre intoniert und begleitet, bis Otto erklärt, dass die Nummern aber nicht von ihm seien. Eine Fabel, bei der Otto alle Tiere auf der Gitarre spielt, wird von Wölfen, Kröten und Hyänen aus dem Publikum begleitet, wobei die Hyänen nicht ganz den Geschmack des Erzählers treffen…! Dafür gibt`s später „Hyäne Fischer“. Gut kommt auch die deutsche Simultanübersetzung von Ambros` legendärem „Schifoan“ an: „Weil so a Tee macht den Schnee erst so richtig schee“ wird mit „Das hochprozentige Heißgetränk verdoppelt meine Sinne um das Vierfache!“ übersetzt…!

Nun, zwei Stunden „Otto“ stehen für Klassiker und Kalauer, Kinder und deren Eltern, aber auch Pärchen in den Zwanzigern. Sie alle sind scharenweise begeistert, wenn der mittlerweile 69-jährige Otto sein Gagfeuerwerk abschießt. Während sich - zumindest mir - der Humor einiger gefeierter, deutscher Comedians nicht erschließt (haben wir Ösis etwa andere Humorrezeptoren als die deutschen Nachbarn?), ist Otto seit jeher der Klassiker seiner Zunft – aber das steht ja schon in der Einleitung. So bleibt ein zufriedenes „Holdrio Again“ und die Hoffnung, dass Otto noch nicht so schnell in Rente geht!

„Das 1.000 Schaf hieß Harald und war schon 100 Jahr alt!“ – „Harald!“


Redakteur: Bernhard Schösser