Cycling The World

43 Jahre konnte Thomas Widerin dem Fahrrad widerstehen. In zahlreichen Sportarten top motiviert und erfolgreich, wechselte er dann in den Fahrradsattel. Somit ging das Abenteuer richtig los! Heute fährt Thomas Widerin unter dem Motto „Cycling The World“ besondere Radabenteuer. FREIZEIT-TIROL stellt seinen Werdegang und die aktuellen Projekte vor.

Thomas, du hast ja einen äußerst interessanten beruflichen Werdegang, erzähl mal kurz!

Ich war insgesamt 36 Jahre lang bei der Polizei (gelernter Gendarm) und zuletzt stellvertretender Kommandant in Seefeld. Als ausgebildeter Alpinpolizist war ich zudem viele Jahre lang für Erhebungen nach verschiedenen Alpinunfällen zuständig. Als Mitglied des Polizei-Nationalteams durfte ich Österreich bei insgesamt 7 Weltmeisterschaften im Mehrkampf vertreten und dabei auch 2 x die Goldmedaille im Polizei-Achtkampf erreichen. Nebenberuflich flog ich 27 Jahre lang als Flugretter mit dem ÖAMTC-Notarzthubschrauber mehr als 3.000 Einsätze und war dabei auch 20 Jahre lang leitender Flugretter des „Christophorus 1“ in Innsbruck.

Bis zu deinem 43. Lebensjahr hattest du, trotz Leistungssport, mit dem Fahrradfahren überhaupt nichts zu tun. Was war der Auslöser, aufs Rad zu steigen?

Nach dem Ende meiner Leistungssportkarriere wollte ich nicht in ein „Loch“ fallen und weiterhin sportlich irgendetwas anderes machen. Im Fernsehen ist damals ein Bericht über Wolfgang Fasching und das „Race across America“ gelaufen. Da habe ich gewusst, dass ich so etwas Ähnliches auch machen möchte. Ich habe mir vorgenommen, mit dem Fahrrad Amerika zu durchqueren. Zwar nicht auf Zeit, sondern allein, ohne Begleitung und „By fair means“, also alles selbst transportieren und alles selbst bewältigen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit dem Fahrradfahren überhaupt nichts zu tun.

Wie ging es dann richtig los?

Im Sommer 2006 stieg ich in New York auf das Fahrrad und zwei Monate später radelte ich in San Francisco über die berühmte Golden Gate Bridge. Das war meine erste große Radreise allein und ab diesem Zeitpunkt hatte ich das „Radreise-Fieber“. Es folgten dann weitere große Abenteuer: Eine weitere USA Durchquerung (einschließlich „The Loneliest Road in America“) mit Ziel Vancouver in Kanada, eine Radfahrt von Alaska bis nach Florida oder auch Touren in Europa, wie hinauf zum Nordkap, nach Paris und noch einiges mehr.

Was war dein bisher größtes Abenteuer?

Ich wollte einmal ein ganz besonderes Projekt verwirklichen und plante daher „von möglichst weit weg bis nach Hause“ zu radeln. Und daher kam mir die Idee von „Long Way Home“, einer Radreise von Alaska bis nach Hause. 4 Kontinente, 35 Länder, 32.000 Kilometer und viele Höhenmeter. Nach drei Jahren intensiver Vorbereitung startete ich im Sommer 2023 in Fairbanks in Alaska und kam genau 429 Tage später wieder zu Hause an. Im Gepäck: Eine Wahnsinnserfahrung, unzählige Abenteuer und Erlebnisse. Vor allem aber gesund und demütig!

Wie bereitest du dich auf solche Expeditionen vor?

Die Vorbereitung für eine Weltreise dauert 3 Jahre. Es gibt hier unzählige Punkte, die zu berücksichtigen sind. Top Material betreffend Bike, Bekleidung, Taschen usw., Streckenplanung (ich fahre ausschließlich nach Straßenkarten und ohne NAVI), Gesundheitschecks (einschließlich Impfungen), Reserve- und Notmaterial, Kommunikation, Dokumentation und so weiter.

Trainingsmäßig ist es wichtig, sich auf eine Kombination aus Ausdauer und allgemeiner Kräftigung (Ganzkörper) zu konzentrieren. Ich bin viele Stunden am Ergometer gesessen und war viele Stunden im Fitnessstudio. Wobei man ganz ehrlich sagen muss: So eine Reise schafft jeder mittelmäßig trainierte Hobbysportler. Denn man fährt langsam, macht viele Pausen und kann sich das Tempo und den Rhythmus selbst einteilen.

Was geht dir während einer solchen langen Reise durch den Kopf?

Man hat sehr viel Zeit zum Nachdenken und kann da tief eintauchen in das eigene Ich. Ich habe viel nachgedacht über mein bisheriges Leben, die vielen Hochs und Tiefs. Vor allem aber über die Fehler, die ich gemacht habe und welche ich davon vermeiden hätte können. Und ich war jeden Tag dankbar, dass ich eine solche Reise machen durfte. So etwas geht ja nur, wenn Du auch eine starke Frau zu Hause hast, die da hinter Dir steht. Meine Silvia ist so eine Frau. Sie hat mich unterstützt und mir bei den Tiefs immer wieder gut zugesprochen, aber mich auch immer wieder „gebremst“.

Das Thema „Rückschläge“ spricht du auch an, gib uns ein (oder mehrere) Beispiele, wie gehst du mit Rückschlägen allgemein um?

Ich bin in meinem bisherigen Leben durch viele Tiefs gegangen, aber immer wieder aufgestanden. Mein größter Rückschlag war der Abbruch einer Radreise 2010 inmitten eines Nirgendwo im tiefsten Yukon wegen eines schweren Burnouts und der lange Weg der Genesung, der fast 2 Jahre gedauert hat. Da habe ich mir einfach professionelle Hilfe geholt, vor allem aber hatte ich den Willen, wieder aufzustehen.

Auch während „Long Way Home“ hat es mehrere Rückschläge gegeben. Ich musste einsehen, dass oft geplante Tagesetappen nicht zu schaffen waren, längere Pausen notwendig wurden, Straßen gesperrt waren, es nicht immer etwas zum Essen gab usw. Und es hat natürlich auch einige technische Defekte gegeben. Auf so einer Reise bist Du dann auf Dich allein gestellt und musst Dich ausschließlich darauf konzentrieren, irgendwie das Problem zu lösen. Geduldig sein, Alternativen suchen, flexibel sein und vor allem auf Deinen Körper hören.

Du bist ja auch als Autor tätig?

Ich habe mittlerweile schon 4 Bücher über meine großen Abenteuer geschrieben. Vor allem im letzten Buch „Fahrradabenteuer Weltreise“ sind viele aufregende Geschichten enthalten, die ich während der letzten Reise erleben durfte. Und ich darf als freier Autor von diversen Rad- und Outdoormagazinen regelmäßig mit dem Fahrrad oder zu Fuß über die schönsten Rad- und Wanderdestinationen berichten.

Was planst du als nächstes?

Ich plane nun nochmals ein weiteres großes Abenteuer. Dieses Mal möchte ich von Australien nach Österreich radeln. „Down under to Alps“ (Long Way Home 2.0). Wenn alles passt, dann würde ich im Herbst 2027 im australischen Melbourne starten und zuerst durch das Outback hinauf in den Norden radeln. Anschließend geht es über Indonesien, Thailand usw. nach China. Von dort über einen großen Bogen Richtung Europa. Die Strecke ist noch nicht genau fertig geplant, aber wird etwa 30.000 km weit sein. Näheres möchte ich aber noch nicht darüber erzählen, da es bald mal einen eigenen Podcast darüber geben wird.

2026 kann man deine Multivisionsshow sehen, und mit dir das Abenteuer nochmals auf der Leinwand erleben. Welche Termine in Tirol sind bisher geplant?

Über meine Reise von Alaska nach Österreich gibt es eine tolle Multivisionsshow. Dabei nehme ich die Besucher mit auf das Abenteuer. Wir erleben gemeinsam den Besuch der Bärenfamilie beim Zelt, fahren durch den Sandsturm in der Atacama Wüste oder schlafen nur 50 Meter entfernt vom Löwen in Afrika. Die Show hat bisher super Anklang gefunden und es wird daher eine eigene Frühjahrstour und Herbsttour durch Österreich geben. Meine Termine in Tirol: Kitzbühel, 25.03.26, Innsbruck, 09.04.26, Reutte 22.04.26, Landeck 23.04.26, Wörgl 13.10.26, Lienz 14.10.26.

Alle Infos und Tickets auf: www.thomas-widerin.at

Text: Bernhard Schösser

Fotos: Thomas Widerin