Wer sich von Frühjahr bis Herbst auf den Straßen, nicht nur in Tirol, aufhält, sieht sie immer häufiger: Menschen auf High-End-Rennrädern und in stylisher Radbekleidung. Spätestens seit Corona ist es unbestritten: Rennradfahren ist das neue Joggen, nur mit mehr Coolnessfaktor und höherem Puls. Jünger, weiblicher, teurer und Social-Media-tauglich: Rennradfahren ist für eine wachsende Gruppe von Menschen inzwischen mehr als ein Hobby, es bedeutet Lebensstil. FREIZEIT-TIROL machte sich auf, um dem Trend ein wenig auf den Grund zu gehen. Bereits in unserer Ausgabe 29 (August 2025) stellten wir einige Communities vor, heute geht es um Marathons und die passende Vorbereitung.
Absolute Zahlen gibt es weder in Österreich, noch in Deutschland. Laut der führenden Sportlerplattform Strava ist das Interesse am Radsport bei unseren Nachbarn in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Der Wunsch nach Gemeinschaft und sportlicher Betätigung scheint dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Bei den unter 35-Jährigen gab es Zuwächse um 100%, wobei der Anteil der Frauen am Rennrad seit 2019 ebenfalls um 40% gestiegen ist. Ähnlich dürfte es in Österreich aussehen.
Wir fragten Florian König, den Generalsekretär des Radsportverbandes, der ja primär für die professionelle Rennszene in Österreich zuständig ist.
Gibt es Daten zum „Trend zum Rennrad“?
Konkrete Zahlen für Radfahrer in Österreich haben wir nicht, dennoch können wir das Gefühl bestätigen, dass das Radfahren in Österreich boomt. Die Zahl der Mitgliedsvereine bei Cycling Austria ist jedoch nur leicht ansteigend. Die Teilnehmer bei Lizenz-Veranstaltungen ist konstant, im Hobbybereich haben wir keine Zahlen.
Wie trägt der Radsportverband diesem Trend Rechnung?
Wir haben die Säule Cycling 4 All gegründet. Natürlich liegt unser Hauptaugenmerk auf dem Leistungs- und Spitzensport – Erwachsene und Nachwuchs. Mit „Cycling 4 All“ wollen wir auch die Breite miteinbinden, die Cycling Austria Member Card – toller Versicherungsschutz mit feinen Partnerangeboten – ist ein Grundstein für den organisierten Sport. Weiters erarbeiten wir gerade ein Regulativ, damit auch die Touristikveranstaltungen an Cycling Austria angeschlossen werden können. Wir wollen die Serviceeinrichtung im Radsport sein, an die sich jeder Radfahrer und jede Radfahrerin wenden kann. Die Gründung und Forcierung der Bike Guide Ausbildung ist vor allem im touristischen Bereich eine enorm wertvolle Initiative.
Kann man die Begeisterung nützen, um mehr Fahrer zum tatsächlichen Rennsport zu führen?
Das ist schwierig einzuschätzen. Zwischen Radfahren – touristischen Veranstaltungen (Radmarathon) – und Lizenzrennen liegen enorme Welten. Dennoch gilt als Grundregel immer: Aus der Breite kommt die Spitze – somit ja, wird auch der Leistungssport vom Fahrradboom profitieren.
Der Marathon-Boom
Generell boomen die Marathonveranstaltungen mit dem Rennrad im In- und
Ausland. Beim Neusiedlersee-Marathon gibt es beispielsweise 2026 einen eigenen Startblock für Frauen, um die Hektik beim Start etwas zu entschärfen. Einer der etablierten Klassiker in Österreich ist der Glocknerkönig. Wir fragten nach bei Christoph Hell, der die Veranstaltung mitorganisiert.
Christoph, wie siehst du generell die Entwicklung im Radsport?
In den letzten 10 bis 15 Jahren hat der Rennradsport insgesamt einen starken Aufschwung erlebt. Vor allem Jedermann-Events erfreuen sich wachsender Beliebtheit und sprechen immer mehr ambitionierte Hobby- und Amateurathleten an.Während der Corona-Pandemie war ein deutlicher Boom zu beobachten, wodurch sich das Rennradfahren zunehmend als Trendsportart etabliert hat. Nach der Pandemie kam es zwar kurzfristig zu leichten Rückgängen bei den Teilnehmerzahlen, diese haben sich inzwischen jedoch wieder stabilisiert. Der aktuelle Trend zeigt klar, dass Radsportevents weiterhin sehr gefragt sind und das Interesse an der Teilnahme wieder steigt.Parallel dazu ist eine spürbare Erhöhung der Leistungsdichte zu erkennen. Auch im Amateurbereich wird heute strukturierter trainiert, besser vorbereitet und leistungsorientierter an den Start gegangen – was auf eine zunehmende Professionalisierung im Radsport hinweist. Zudem hat sich bei den Frauen in den letzten Jahren einiges getan. Auch wenn Männer nach wie vor den größeren Teil des Starterfeldes ausmachen, ist der Frauenanteil sowie auch dessen Niveau deutlich steigend. Dazu kommt, dass es heute mehr Sichtbarkeit, Vorbilder und passende Angebote gibt, was den Einstieg speziell für Frauen zusätzlich erleichtert. Unterm Strich kann man sagen, dass Frauen im Radsport präsenter, selbstbewusster und ein fester Bestandteil der Szene geworden sind.
Wie hat sich der Glocknerkönig über die Jahre entwickelt?
Die erste Austragung des Glocknerkönigs fand im Jahr 1996 mit rund 400 Teilnehmern statt. In den darauffolgenden Jahren wuchs die Veranstaltung kontinuierlich und entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem Fixpunkt im alpinen Rennradkalender. Heute zählt der Glocknerkönig zu den bedeutendsten Amateurradsport Events im Alpenraum und verzeichnet eine stabile jährliche Teilnehmerzahl von über 2.000 Startern aus rund 30 Nationen. Diese Konstanz zeigt, dass sich das Event langfristig etabliert hat und über viele Jahre hinweg attraktiv geblieben ist.Sportlich ist vor allem die Entwicklung auf der Leistungsseite bemerkenswert. Der Männer-Streckenrekord auf der Classic-Strecke wurde im Jahr 2005 mit einer Zeit von 1:15:15,3 Stunden aufgestellt und besteht mittlerweile seit rund 20 Jahren. Trotz mehrerer sehr knapper Versuche blieb dieser Rekord bislang unangetastet und gilt als eine der großen sportlichen Marken des Glocknerkönigs.Ein besonderes Highlight war das Jahr 2025, in dem drei von vier Streckenrekorden gebrochen wurden. Sowohl der weibliche als auch der männliche Rekord in der Ultra-Wertung wurden neu aufgestellt. Zudem konnte Janine Meyer den Damen-Rekord auf der Classic-Strecke nochmals verbessern. Diese Ergebnisse unterstreichen die hohe sportliche Qualität und die deutlich gestiegene Leistungsdichte im Starterfeld.
Individuelle Coaches
Um sich gezielt auf solche Events vorzubereiten, werden individuelle Coaches und Trainer immer beliebter. Wir stellen Michael Flir von Yessport am Imsterberg und Florian Ebenbichler, der mit Markus Waldhart die Firma F7 Training in Innsbruck betreibt, vor.
Ihr bietet individuelles Ausdauertraining an. Wie kann man sich das als Laie vorstellen?
Michael:Viele trainieren nach Gefühl oder nach allgemeinen Plänen aus dem Internet. Mein Ansatz ist ein anderer: Am Anfang steht immer der Radsportler selbst sowie eine Leistungsdiagnostik, bei der wir feststellen, wo jemand aktuell steht. Darauf aufbauend erstelle ich eine individuelle Trainingsplanung, die sich an den persönlichen Zielen, dem Leistungsniveau und dem Alltag orientiert.
Ein fester Bestandteil meines Coachings ist außerdem das Sporternährungscoaching. Die richtigen Nährstoffe zur richtigen Zeit sind entscheidend, damit der Körper die Trainingsreize bestmöglich verarbeiten kann. Gleichzeitig ist eine angepasste Sporternährung wichtig, um langfristig leistungsfähig und gesund zu bleiben.
Die Sportler erhalten klare Vorgaben für Training und Sporternährung und verstehen, warum sie was tun. So entsteht Struktur statt Zufall – und Training wird effizienter und nachhaltiger.
Florian: Wir sehen uns als eine Art „Virtueller Trainer“ – die Pläne kommen im 2-Wochentakt via E-Mail und sind angepasst an die Ressourcen, Wünsche und Ziele der Athleten. Die Trainingsplanung erfolgt händisch – also ganz ohne KI. Die Einheiten versuchen wir exakt und transparent (mit einer Brise Humor) zu beschreiben. Der Austausch erfolgt unbegrenzt über Telefon oder E-Mail.
Wer sind eure Kunden? Profis, Amateure, Hobbysportler?
Florian: Wir betreuen Athleten im Ausdauersport aller Leistungsklassen. Vom Einsteiger bis hin zum Profi – ab 18 Jahren und open end. Das ist auch für uns Trainer eine tolle Abwechslung und durch das Feedback der Athleten können alle davon profitieren.
Michael: Ich betreue sowohl Profis als auch ambitionierte Hobby- und Amateursportler. Das Spektrum reicht von Athleten mit Olympiamedaillen bis hin zu Sportlern, deren Ziel es ist, einen Radmarathon erfolgreich zu finishen oder ihre Leistung am Rad gezielt zu steigern. Gemeinsam haben alle, dass sie regelmäßig trainieren und sich strukturiert und nachhaltig verbessern wollen.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diesen Service anzubieten?
Michael:Der Sport war für mich immer mehr als nur ein Hobby – er ist meine Leidenschaft. Ich komme selbst aus dem Ausdauersport und war über viele Jahre im Triathlon und Duathlon aktiv, heute überwiegend im Radsport. Zu meinen sportlichen Erfolgen zählen unter anderem der österreichische Meistertitel im Duathlon, die Qualifikation für die Ironman World Championship sowie 15 Ironman-Teilnahmen. Seit 2007 betreue ich Athletinnen und Athleten im Ausdauerbereich und habe dabei erlebt, wie entscheidend gezielte Trainingssteuerung, Erfahrung und Struktur für eine nachhaltige Leistungsentwicklung sind.
Florian: Wir sind selbst seit unseren Jugendjahren aktiv im Sport tätig und haben schon früh mit eigenen Trainingsplänen gearbeitet, um unsere Leistung gezielt zu verbessern. Dabei haben wir gemerkt, wie viel Struktur, Planung und individuelles Training ausmachen. Mit der Zeit ist daraus der Wunsch entstanden, nicht nur uns selbst und gegenseitig, sondern auch andere Athleten zu unterstützen. Besonders motiviert uns dabei die Arbeit mit den Sportlern und die Freude zu sehen, wenn sie ihre persönlichen Ziele, Wettkämpfe und Herausforderungen erfolgreich meistern.
Wie lange betreut ihr eure Sportler und was fällt dabei an Kosten an?
Florian: Beim Aufbau unseres Unternehmens haben wir mit ca. 1-2 Jahren Betreuungszeit gerechnet. Doch viele unserer Athleten sind seit Beginn (2017) dabei und sind uns sehr ans Herz gewachsen. Wir freuen uns auf weitere Höhen und werden auch die Tiefen gemeinsam meistern. Die Kosten für eine Trainingsbetreuung beginnen bei 97 Euro pro Monat und gehen im umfangreichsten Paket bis 147 Euro pro Monat. Bindung gibt es bei uns keine, auch keine Upgrade-Kosten/Optionen.
Michael:Die Betreuung ist in der Regel mittel- bis langfristig angelegt, häufig über mehrere Monate oder ganze Saisonen. Nur so lassen sich Training, Regeneration und Ernährung sinnvoll aufeinander abstimmen. Die Kosten richten sich nach dem Umfang der Betreuung – von Trainingsplanung über Leistungsdiagnostik bis hin zum integrierten Sporternährungscoaching. Wichtig ist mir dabei eine transparente, faire und individuelle Gestaltung.
Abschließend eure persönliche Empfehlung an ambitionierte Rennradfahrer
Michael:Mein wichtigster Tipp lautet: Nicht einfach mehr trainieren, sondern gezielter.
Training, Regeneration und Ernährung gehören zusammen. Wer diese Faktoren sinnvoll kombiniert, vermeidet Überlastung, bleibt gesünder und steigert seine Leistung langfristig und nachhaltig – mit mehr Freude am Rennradfahren. Und das Wichtigste: BIKEandSMILE.
Florian: Das Limit in der Leistungsentwicklung ist oft nicht das Training selbst sondern das Verhältnis aus Reiz und Erholung. Auch der beste Trainer wird gezielte Ruhephasen einbauen um den Körper und Geist erholen zu lassen. Damit verliert man nie die Freude am Sport und kann entspannt am Ruhetag die Touren für die nächsten Tage planen.
Bike-Fitting
Um jetzt richtig und ohne Energieverlust oder Schmerzen auch lange Distanzen am Rad bewältigen zu können, wird das individuelle Einstellen des Rades immer populärer. Einer, der das professionell betreibt ist Hannes Holzhammer mit seinem Shop Bikefit Tirol in Kramsach.
Hannes, wie sieht dein Bike-Fitting Programm aus?
Zuerst gibt es ein ausführliches Eingangsgespräch um den Kunden, eventuelle Beschwerden und Ziele für das Fitting zu verstehen und festzulegen. Danach werden die derzeitigen Einstellungen des Fahrrads und Sattels sowie der Schuhe und Pedale festgehalten. Das Rad und der Kunde werden mit Laser vermessen, auch die Füße, für eine optimale Cleat Einstellung. Aus diesen Daten berechnet ein spezielles Computer Programm dann die Einstellungen, welche nach Absprache noch angepasst werden (z.B. Sattelüberhöhung oder Vorbaulänge). Anschließend wird das Fahrrad adaptiert, Sattel, Lenker und Schuhe werden auf Basis der Messdaten eingestellt. Der nächste Schritt ist das dynamische Fitting, d.h. der Kunde kommt mit seinem Fahrrad auf den Rollentrainer und es wird alles in Bewegung mit Hilfe zweier Hochgeschwindigkeitskameras kontrolliert, auch der Satteldruck. Im Anschluss an die Nachjustierung, wenn alles passt, erhält der Kunde die dokumentierten Einstellungen noch per E-Mail.
Für welche Rad-Arten ist das Bike-Fitting sinnvoll?
Bike-Fitting ist für alle Arten von Fahrrädern und für Männer und Frauen sinnvoll, um Verletzungen oder Fehlhaltungen beim Radfahren vorzubeugen. Bei bestehenden Problemen oder Schmerzen hilft das Bike-Fitting, diese wieder los zu werden und weitere zu vermeiden. Egal ob Pendler, E-Biker, oder Ötztaler-Starter, jeder profitiert von der perfekt eingestellten Position am Rad. Radfahren soll für die meisten ein Ausgleich und Entspannung zum stressigen Alltag sein, genau deshalb ist die richtige Einstellung des Fahrrads quasi Pflicht. Knie, Nacken und Schultern sollen nicht unnötig belastet werden.
Was kostet dieser Service bei dir?
Bike-Fitting kostet je nach Art des Bikes ab 125 Euro für E-Bike oder Trekking Bikes. Rennrad / Gravel / Mountainbike kosten 195 Euro und Triathlon Bikes 245 Euro.
Je nach Art des Bikes dauert das Fitting 1 – 2 Stunden. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, bei Bedarf Videoanalyse oder Satteldruckmessung dazu zu buchen. Die Buchung erfolgt am einfachsten über www.bikefit.tirol oder per E-Mail bzw. Telefon.
Wer sind deine Kunden?
Meine Kunden kommen aus allen Bereichen, vom Genussradler mit dem E-Bike bis zum ambitionierten Ironman oder Ötztaler Starter ist alles dabei. Die Probleme sind häufig ähnlich. Daneben gibt es auch Rennfahrer, die zu meinen Kunden zählen, bei denen es mehr um Performance als Komfort geht. Es ist immer wichtig für den Kunden, die optimale Position zu finden und mögliche Probleme zu vermeiden. Viele kommen auch zu mir, um ein Sizing für das neue Wunschrad zu bekommen, sie erhalten neben der Größenempfehlung dann auch eine Empfehlung für Vorbau, Lenker und Anbauteile, damit sie im Nachhinein das Rad nicht mehr umbauen oder z.B. teure Cockpits austauschen müssen.
FREIZEIT-TIROL wünscht allen Radsportbegeisterten eine unfallfreie Saison!










