Klettern bedeutet für Jasmin Plank weit mehr als den Weg nach oben. Die Tirolerin hat sich trotz einer seltenen Erkrankung und persönlicher Rückschläge an die Weltspitze im Paraclimbing gekämpft. Am 16. Juni 2026 trat sie bei der World Climbing Para Series in Innsbruck an und holte sich mit Gold in der Klasse RP2 ihren insgesamt zehnten Weltcupsieg. Für FREIZEIT-TIROL erzählt Jasmin von ihrem Weg: Ein Porträt über Mut, Ausdauer und die Kraft, immer wieder über sich hinauszuwachsen.
Jasmin, du lebst mit einer körperlichen Beeinträchtigung, die dich überhaupt erst zum Klettersport geführt hat. Magst du kurz davon erzählen? Wie hat sie deinen Weg zum Paraclimbing und in den Spitzensport geprägt?
Ich lebe mit einer hereditären spastischen Spinalparese, einer unvollständigen Lähmung aller vier Extremitäten. Bis zu meinem 24. Lebensjahr war ich gesund und mitten im Berufsleben. Ich war Leiterin einer Kinderkrippe, bevor sich mein Leben durch mehrere Schübe und insbesondere einen schweren Schub im Jahr 2016 von einem Tag auf den anderen stark verändert hat. Gerade in dieser Zeit habe ich gemerkt, wie sehr mir der Sport in meinem Leben fehlt. Denn durch den unerwarteten Beginn meiner Erkrankung konnte ich meinen damaligen Sport nicht mehr ausüben. Während meiner Rehabilitation bin ich durch eine engagierte Psychologin zum Klettern gekommen und habe dabei sehr schnell meine Leidenschaft dafür entdeckt. Das Klettern hat mir geholfen, meinen Körper neu kennenzulernen und meinen Blick wieder stärker auf das zu richten, was möglich ist. 2016 habe ich mit Paraclimbing begonnen und mein Weg hat mich schließlich bis ins österreichische Nationalteam und in den Spitzensport geführt.
Welche Herausforderungen musstest du dabei überwinden?
Natürlich war dieser Weg mit vielen Herausforderungen verbunden. Ich musste lernen, mit den körperlichen Einschränkungen und den Veränderungen meines Körpers umzugehen und immer wieder neue Wege und Lösungen zu finden. Auch Rückschläge und Zweifel gehören dazu. Gleichzeitig hat mir der Sport gezeigt, dass meine Beeinträchtigung zwar ein Teil von mir ist, aber nicht festlegt, was ich erreichen kann. Das Paraclimbing hat mir nicht nur den Weg zurück zum Sport ermöglicht, sondern mir auch unglaublich viel Selbstvertrauen, Lebensfreude und eine neue Perspektive gegeben.
Du gehörst seit Jahren zur Weltspitze im Paraclimbing. Auf welche Erfolge blickst du bereits zurück und worauf bist du besonders stolz?
Ich bin zweimal Vizeweltmeisterin geworden und konnte 2024 in der Schweiz den Europameistertitel holen. Bei den Weltcups habe ich bisher zehn Gold-, vier Silber- und eine Bronzemedaille gewonnen.
Außerdem bin ich achtmal österreichische Staatsmeisterin geworden. Auf diese Erfolge bin ich natürlich sehr stolz.
Vor Kurzem bist du beim Kletter-Weltcup in Innsbruck vor heimischem Publikum gestartet. Was geht dir vor so einem Wettkampf durch den Kopf und welche Eindrücke nimmst du davon mit?
Ich liebe den Bewerb in Innsbruck. Vor einem so gewaltigen Publikum zu klettern, ist immer ganz besonders. Im Normalfall fällt die Zuschauerzahl eher übersichtlich aus. Gleichzeitig setzt es dich schon etwas mehr unter Druck, denn man weiß ja, dass auch alle Freunde und die Familie vor Ort sind. Die eigene Erwartung wird dann einfach auch höher.
Wie kann man sich Paraclimbing vorstellen – im Unterschied zum regulären Sportklettern? Was fasziniert dich daran?
Der größte Unterschied besteht tatsächlich darin, dass wir im Bewerb am Toprope klettern. Ansonsten wird auch von uns all das abverlangt, was auch die „Able-Bodys“ leisten müssen. Ich liebe den Zusammenhalt im Team hier – wir sind nicht nur die „Paras“, sondern ein Teil des Teams. Inklusion wird vor allem im österreichischen Team gelebt, aber auch bei den verschiedensten Veranstaltungen.
Wie sieht ein normaler Tag im Leben von Jasmin Plank aus – wie viel Training machst du?
Ich trainiere im Schnitt zwischen 20–25 Wochenstunden, nicht nur an der Wand, sondern natürlich auch in der Kraftkammer. Noch dazu kommen bei mir auch Ergotherapie und Physio sowie die täglichen Gassi-Runden mit meiner kleinen Prinzessin.
Paraclimbing wird 2028 erstmals Teil der Paralympics sein. Welche Bedeutung hat dieses Ziel für dich persönlich?
Ob ich Teil der Paralympics sein werde, steht noch in den Sternen, da nicht alle Sportklassen dort starten werden.
Wie schaffst du es, auch nach Rückschlägen motiviert zu bleiben und positiv nach vorne zu blicken?
Rückschläge gehören für mich zum Leben und zum Sport dazu. Ich habe gelernt, dass nicht jeder Weg geradeaus führt und man manchmal einen neuen Weg finden muss. Was mir Kraft gibt, ist der Blick darauf, was ich trotz aller Herausforderungen bereits geschafft habe. Ich versuche, aus jedem Rückschlag etwas mitzunehmen und daran zu wachsen. Denn für mich bedeutet ein Rückschlag nicht, stehen zu bleiben – sondern Anlauf zu nehmen und weiterzumachen. Das Paraclimbing hat mir gezeigt, dass man seine eigenen Grenzen immer wieder neu definieren kann. Genau diese Erfahrung gibt mir die Kraft, auch nach schwierigen Phasen positiv nach vorne zu blicken und an meine Ziele zu glauben.
Gibt es Vorurteile, mit denen du immer wieder konfrontiert wirst?
Ja, leider gibt es immer wieder Vorurteile. Oft wird Menschen mit Behinderung weniger zugetraut oder man wird zuerst über die Beeinträchtigung und nicht über die eigenen Fähigkeiten wahrgenommen. Gerade im Sport begegnet mir manchmal die Vorstellung, dass Leistung und Behinderung nicht zusammenpassen. Ich habe gelernt, mich davon nicht definieren zu lassen. Ich möchte zeigen, dass eine Behinderung nicht bedeutet, dass man keine großen Ziele haben oder sportliche Höchstleistungen erreichen kann. Viel wichtiger ist für mich, den Menschen und seine Möglichkeiten zu sehen – und nicht nur seine Einschränkung.
Was möchtest du Menschen mit Behinderung mit auf den Weg geben, die sich für Sport begeistern oder selbst große Träume haben?
Ich möchte Menschen mit Behinderung Mut machen, an sich und ihre Träume zu glauben. Manchmal braucht es etwas länger oder man muss einen anderen Weg gehen – aber das bedeutet nicht, dass etwas unmöglich ist. Traut euch, Dinge auszuprobieren, eure eigenen Grenzen neu zu definieren und euch nicht von Zweifeln oder den Erwartungen anderer aufhalten zu lassen. Für mich war der Sport ein Weg zurück ins Leben und hat mir gezeigt: Manchmal beginnt etwas Großes genau dort, wo man glaubt, dass nichts mehr möglich ist.
Was sind deine nächsten Ziele? Gibt es noch einen Traum, den du dir unbedingt erfüllen möchtest?
Mein größtes Ziel ist es, weiterhin das zu tun, was ich liebe: zu klettern, mich sportlich weiterzuentwickeln und immer wieder neue Grenzen zu verschieben. Nach meinem Unfall war mein großer Traum, irgendwann wieder an den Fels zurückzukehren – und genau das habe ich geschafft. Jetzt möchte ich mir noch einen ganz persönlichen Traum erfüllen: an den Ort zurückzukehren, an dem mein Unfall passiert ist. Für mich wäre das ein unglaublich emotionaler Moment und ein Zeichen dafür, wie weit ich seitdem gekommen bin. Und natürlich möchte ich auch sportlich weiter träumen. Mein Leitsatz begleitet mich dabei: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Genau das möchte ich auch in Zukunft tun.
Vielen Dank für das Interview!
Fotos: Haller, Klee











