Von der Idee zur ARTfair
Johanna Penz. Ein Name, bekannt und untrennbar mit der Geschichte der ARTfair Innsbruck (Anmerkung: früher und im umgangssprachlichen Gebrauch hierzulande immer noch „die ART-Messe“) verbunden, ist Johanna Penz doch Gründerin und Direktorin der Veranstaltung. Von 23. bis 25. Oktober findet die große Jubiläumsmesse in der Olympiaworld in Innsbruck statt. Über drei Jahrzehnte hinweg hat Johanna Penz die Messe mit bemerkenswerter Beharrlichkeit aufgebaut und zugleich immer wieder an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. Ihr Engagement reicht dabei weit über die Organisation einer internationalen Kunstmesse hinaus. Als Senatorin im Senat der Wirtschaft Österreich versteht sie Kunst ausdrücklich als gesellschaftliche und wirtschaftliche Ressource – eine Haltung, die das Profil der ARTfair Innsbruck nachhaltig geprägt hat. Ein beeindruckendes Jubiläum und somit mehr als ein guter Grund für FREIZEIT-TIROL, das Lebenswerk von Johanna Penz zu beleuchten.
Johanna, wie war das mit der Gründung der ART-Messe vor mittlerweile fast unglaublichen 30 Jahren?
Ich habe die Kunstmesse im Jahr 1996 als damals erste und einzige internationale Kunstmesse inÖsterreich gegründet, seitdem ununterbrochen selbst veranstaltet und organisiert. Sie wurde nach international gültigen Kriterien für Kunstmessen konzipiert. Auf die Einhaltung dieser Richtlinien lege ich immer größtes Augenmerk. Das Gründungskonzept „internationale Kunst im Kontext mit der heimischen Kunst zu zeigen und damit zu befruchten“ und „Schwellen abzubauen und die Kunst aus dem Elfenbeinturm zu befreien“ gilt bis heute und hat den Erfolg der ART nachhaltig begründet.
Wie kann man sich die Kunstszene in der Stadt am Inn, abgesehen von Galerien, 1996 vorstellen?
Zur Zeit der ART-Gründung war Innsbruck in Bezug auf zeitgenössische Kunst eine Wüste. Es gab einige klassische, alteingesessene Galerien und deren Strukturen. Somit musste eine frische Messe für zeitgenössische Kunst her, die wir – jung, motiviert, engagiert und gelegentlich auch etwas blauäugig - kurzerhand aus der Taufe gehoben haben. Natürlich hat von den damals Etablierten keiner „Hurra“ geschrien, egal, ich habe es durchgezogen und durchgehalten.
Fallen dir rückblickend „Hoppalas“ oder Anekdoten vom Start ein?
Klar. Wir waren damals öfters auf der „Art Multiple Düsseldorf“, quasi zur „Konkurrenzbeobachtung“. Unsere damalige Grafikerin war von deren Logo dann doch etwas zu inspiriert. So bekamen wir kurz vor der ersten Messe eine Unterlassungsklage aus Düsseldorf und mussten alle Drucksorten einstampfen lassen. Zwei Jahre später folgten die „Arlberger Kulturtage“, deren Veranstalter ähnliches mit unserem Logo machten…! Legendär war auch die Galerie Depelmann aus Langenhagen bei Hannover, deren Inhaber vor der ersten Messe zu mir sagte: „Wir wissen nicht, was ihr macht, aber wir kommen mal und glauben an euch!“. Überhaupt hatte ich von Beginn an sehr viele internationale Aussteller bei der ART, das hat sich bis heute gehalten.
Gab es Momente und Phasen, wo du alles hinschmeißen wolltest?
Nun, die gab und gibt es immer wieder. Wenn sich mir beispielsweise notorische Kleingeister mit ihren banalen Einbremsstrategien in den Weg stellen wollen. Und natürlich stoße ich selber auch regelmäßig, gerade in den Wochen vor der Messe, an meine körperlichen Grenzen!
Mittlerweile handelt es sich bei der ARTfair, einer Innsbrucker Veranstaltung, um die größte zeitgenössische Kunstmesse Österreichs. Innsbrucks vormalige, legendäre Bürgermeisterin Hilde Zach hat mich bei der Gründung mental unterstützt und war eine treue Wegbegleiterin. Ebenso wie nach ihrem Rückzug aus der Politik die nachfolgende Bürgermeisterin und nunmehrige Gemeinderätin Christine Oppitz-Plörer. Ich erinnere mich immer noch an Hilde Zachs Aussage damals: „Johanna, das ist eine blendende Idee, eine tolle, zukunftsweisende Bereicherung für Innsbruck, Tirol und Österreich. Aber, du wirst einen langen Atem brauchen …!“. Nun, sie hatte Recht, doch man muss vieles im Leben sportlich nehmen! Durch die ART wurden zahlreiche größere und kleinere künstlerische Initiativen über die Jahre angestoßen. Die ART hat den Namen der Stadt Innsbruck über die Jahre sehr positiv und nachhaltig auf dem internationalen Kunstparkett positioniert. Die Eröffnung der Messe ist seit jeher legendär und ein Fixpunkt des gesellschaftlichen Lebens für das „Who’s Who“ aus Wirtschaft und Politik. Kunst schauen und Kunst kaufen wurde durch die Messe zu einem sozialen Erlebnis!
Was ist für die Jubiläumsveranstaltung vom 23. bis 25. Oktober in der Olympiaworld Innsbruck geplant?
Die bewährte Verbindung von Beständigkeit und Erneuerung prägt auch das Jubiläumsjahr. Das internationale Galerieprogramm vereint Arbeiten der klassischen Moderne mit zeitgenössischer Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus mehr als 20 Nationen. Malerei, Skulpturen, Arbeiten auf Papier, Fotografie, Neue Medien und interdisziplinäre Projekte eröffnen vielfältige Perspektiven auf aktuelle künstlerische Ausdrucksformen.
Dabei richtet sich der Blick nicht ausschließlich auf etablierte Positionen. Bereits zum wiederholten Male entsteht eine Kooperation mit einer bedeutenden ungarischen Kunstakademie, deren Studierende und Lehrende ausgewählte Arbeiten präsentieren werden. Noch befinden sich die letzten Details dieser Zusammenarbeit in Abstimmung, doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Messe damit ein deutliches Signal für die stärkere Vernetzung zwischen akademischer Ausbildung und internationalem Kunstmarkt setzt. Eine weitere Facette des Jubiläumsprogramms bildet die Sonderausstellung der Bettina Heinen-Ayech Foundation, deren kunsthistorische Bedeutung mit dieser Ausstellung gewürdigt wird.
Was geht dir persönlich anlässlich dieses Jubiläums durch den Kopf?
Eine Messe, die 1996 aus einer Idee entstand, behauptet sich 2026 nicht trotz des Wandels, sondern gerade durch ihre Fähigkeit, Wandel aufzunehmen, ohne ihre Identität zu verlieren. Besonders stolz bin ich rückblickend auf die herausragenden Namen der internationalen Kunstwelt, welche innerhalb der ART-Sonderschauen oder von den ausstellenden Galerien gezeigt wurden. Wie Francis Bacon, Andy Warhol & Masters of Pop Art, Hans Staudacher, Heinz Mack, Le Corbusier – the authentic icons, Mel Ramos, Alfred Hrdlicka, John Kiki, Friedensreich Hundertwasser, Hermann Nitsch, um nur einige zu nennen.
Das 30-jährige Jubiläum markiert daher weniger einen Endpunkt als eine Zwischenbilanz. In einer Zeit, in der sich der Kunstmarkt und das Sammeln selbst verändern, bleibt die ARTfair Innsbruck ein Ort der persönlichen Begegnung, des unmittelbaren Kunsterlebnisses und des internationalen Austauschs. Ihre besondere Aktualität liegt gerade in der Verbindung von Kontinuität und Aufbruch.
Kunst, ein fast unendlicher Begriff, für jeden von uns anders definiert. Wie deutest du Kunst?
Ein renommierter Kunstprofessor hat mal gesagt: „Kunst ist überflüssig!“ Was schlichtweg bedeuten soll, dass sie keinen konkreten Nutzen oder Zweck zu erfüllen hat - im Gegensatz zum Design. Kunst erhält ihre Daseinsberechtigung durch sich selbst und sucht auch keine Legitimation in der breiten Gesellschaft. Und gerade diese Eigenschaft macht ihren Reiz aus, ihre Mystik und Faszination, welche sie auf die Menschen auszuüben scheint. Unser gesellschaftlicher Wertekodex erlebt derzeit einen radikalen Wandel. Was gestern noch als Statussymbol galt, hat heute keinen Wert mehr. Im Gegenzug erleben jedoch gerade nachhaltige Werte eine Renaissance. Und insbesondere Kunst, das zeigt auch die Resonanz des Publikums der ARTfair Innsbruck, wird als realer Wert erlebt. Die Menschen suchen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten mehr denn je nach authentischem Lebensausdruck und nach nachhaltigen, echten Werten. In der Kunst finden sie diese Sehnsüchte in mustergültiger Weise eingelöst.
Zum Abschluss: Word-Rap Johanna Penz!
Ich lebe und arbeite in Innsbruck, mein persönlicher Kraftplatz, mit Blick auf die Nordkette, umgeben von einer wunderbaren Natur, unmittelbar neben dem urbanen Leben, 20 Minuten ins Hochgebirge.
Geschieden, mein 25-jähriger Sohn absolviert gerade sein Masterstudium in Stockholm und München. Meine Hobbys: Beschäftigung mit Kunst, Literatur und Philosophie, politische Diskussionen, Wandern, Radfahren, Mountain-Biken, Joggen, Seele baumeln lassen.
Mein Motto: „Kunst ist mein Leben“
„The Winner Takes It All - im Sinne: Kunden kaufen nur von Siegern!“
Mein ART- Kunstmessenportfolio bis dato:
3 x in Salzburg, 2 x in Wien, heuer die 30. in Innsbruck, insgesamt meine 35. Kunstmesse!
Fotos: Die Fotografen, M. Jenewein, G. Egger














