Schnell, laut und ziemlich verrückt: Insanity Alert aus Innsbruck

2017 wurde in Innsbruck das Hardrock Cafe eröffnet. Dem internationalen Brauch folgend zieren Exponate von unter anderem heimischen Rockgrößen die Wände. In Innsbruck tun das eine Gitarre des No Bros Mastermind und nationalen Hardrock-Urgesteins Klaus Schubert. Daneben eine Bassgitarre sowie zwei Pop-Up-Augen (Wackelaugen, hergestellt von einem weiblichen Fan aus einem BH) von Insanity Alert. Nicht nur Klaus Schubert kannte die Band damals nicht. Who the f**k is Insanity Alert?

Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 verbreitet das Quintett seine ganz eigene Mischung aus 80er-Thrash Metal, Hardcore-Punk und Popkultur quer durch Europa und darüber hinaus. Ihre Konzerte sind nicht nur musikalisch ein Erlebnis – sie liefern ein audiovisuelles Spektakel. Mit drei Alben, zwei EPs, diversen Singles und über 350 Konzerten in Europa und Japan haben sich Insanity Alert längst einen festen Platz in der Szene erspielt. Sie standen bereits auf den größten Festivalbühnen Europas – darunter das legendäre Wacken Open Air (DE), Hellfest (FR) (als erste österreichische Band auf der Main Stage!), Summer Breeze (DE), Damnation Festival (UK), Brutal Assault (CZ) und Japanese Assault Fest (JP). In der Vergangenheit teilten sie die Bühne mit Schwergewichten wie Suicidal Tendencies, Nuclear Assault, Kreator, Sodom, Exodus, Napalm Death, Carcass, DRI, Hatebreed, Terror, Agnostic Front, Madball, Power Trip und sogar Limp Bizkit – um nur einige zu nennen. Grund genug für FREIZEIT-TIROL, Gründer und Sänger Kevin sowie Basser Kasper zum Interview zu laden und die Band unseren Lesern vorzustellen!

Ihr feiert mit rundumerneuertem Line-Up heuer das 15-jährige Bandjubiläum. Wer ist aktuell mit dabei?

Kevin: Nun, von den Gründungsmitgliedern sind nur noch „Don Melanzani“ am Schlagzeug und ich, „Heavy Kevy“ mit dabei. An der Gitarre werkeln der „Inphiltrator“, er heißt so, weil er bei jeder Band dazukommt, und Hauwitzer. Neu dabei ist Kasper Keen, unser Tofu Thrash!

Jetzt seid ihr beide ja keine gebürtigen Tiroler, was hat euch nach Innsbruck verschlagen?
Kevin: Ich komme ursprünglich aus Rotterdam in Holland. 2009 hat mich die Liebe zu einem Innsbrucker Mädel hierher verschlagen. 2011 lernte ich die Jungs bei einem Konzert im PMK (Anmerkung: Club in den Bögen in Innsbruck) kennen. Ich hatte Souvenirs aus Holland mit dabei, das motivierte uns dann, Musik zu machen…

Ich nehme an, es waren keine Tulpen oder Holzschuhe?

Kevin: Nun, mit Tulpen kann ich gut (lacht). Nein, wir waren anfangs eine reine Hobbyband zum Spaß. Wir sind immer auf die gleichen Konzerte gegangen und kannten uns von da. Da rief ein Freund von mir aus Brescia an und meinte: „Hey, wir haben ein Open-Air-Konzert und brauchen noch eine Vorband. Es gibt 100 Euro und eine Kiste Bier! Und bevor du noch was sagst – es sind die Suicidal Tendencies!“ (Anmerkung: seit 1981 tätige, legendäre US-Hardcoreband). Wir hatten zwei Monate Zeit, um Lieder zu schreiben. Ich rief die Jungs der Band an, aber die waren alle auf Urlaub! Schließlich spielten wir unsere allererste Show, das gleich vor 5.000 Leuten! Das war viel Glück. Die Konzerte in den nächsten zwei Jahren waren natürlich wesentlich kleiner, kein Vergleich. Aber es hat uns motiviert weiterzumachen, da es ja mit der ersten Show schon so geklappt hat.

Kasper: Die Show in Brescia wurde mit VHS aufgenommen, das hat so einen Retro-80ies Style. Das Konzert ist heute noch auf Youtube zu finden. Mit positiven Kommentaren aus der ganzen Welt wie „yeah, kickass oldschoolthrash“ und ähnlichem.

Kasper, warum bist du nach Innsbruck gekommen?

Nun, ich bin gebürtiger Däne. Die Schwester von Kevin ist schon lange meine Freundin. Sie hatte ein Hotel in Holland, das sie verkaufte. Anschließend waren wir für ein Jahr in Frankreich. Da Kevin bereits hier war, beschlossen wir, uns ebenfalls Innsbruck näher anzuschauen. Das ist jetzt auch schon 13 Jahre her. Dann habe ich mit Kevin zusammen bei den Apers und bei Sweatpants Party, das sind zwei Punkbands, gespielt.

Du warst ja auch mal mit Volbeat auf Tour?
Ja, 2008 war ich mit gleich zwei lokalen Punkbands im Vorprogramm von Volbeat auf deren Dänemarktour unterwegs, damals 20 Termine.

Wie ging es dann mit Insanity Alert weiter, gibt es Veröffentlichungen von euch?

Kevin: Ja, 2 EPs bei obskuren Firmen waren der Start, bevor wir 2014 unser gleichnamiges Debutalbum herausbrachten. Parallel dazu machten wir einige Videos, was einen positiven Effekt erzeugte. Unser Vorteil zu dieser Zeit war, dass es eine Lücke in der europäischen Szene gab. Es waren nicht so viele Bands, die so einen Sound wie wir spielten. Wir sind für schnellen, energiegeladenen Sound mit humorvollen Texten bekannt. Wir nahmen alle Shows, die uns angeboten wurden an, fuhren wochenlang mit einem alten VW-Bus durch Europa - Holland, Frankreich, Spanien, Deutschland, Tschechien - und spielten. So konnten wir als Live-Band überzeugen und für richtig coole Bands wie DRI oder eben Suicidal Tendencies spielen.

Zum 15. Geburtstag stehen ja noch ein paar fette Festivals an bzw. wart ihr ja gerade auf Wacken

Kasper: Ja stimmt. Zuerst das Hellfest in Frankreich. Letzte Woche traten wir in Wacken auf, dieses Mal auf der „The Wasteland Bühne“, um 18.30 Uhr, da war das Festival schon komplett voll und für Wacken untypisch ohne Regen. Außerdem gab es für uns heuer schon Auftritte beim Obscene Extreme in Tschechien, es folgen jetzt ab morgen das Alcatrazz Festival in Belgien. Mitte August kommt dann noch das Dynamo Festival in Holland.

Kevin: Nicht vergessen möchte ich das weltberühmte Bogenfest in Innsbruck, bei dem wir heuer von der Hauptbühne mussten, da die Musik für die Veranstalter zu wild war…

Wie schafft man es jetzt als Innsbrucker Band auf die Mainstages dieser Festivals?

Kevin: Durch kleine Shows. Wir traten für 100 Euro in Nantes auf. Nach der Show kam ein großer Mann zu mir und sagt: „Coole Show, es wäre geil, wenn ihr mal auf dem Hellfest spielen würdet!“. Ich lachte und antwortete: „Ja, das wäre sicher geil, Kollege!“. Darauf gab er mir seine Visitenkarte – es war der Booker vom Hellfest!

Bei Wacken kamen wir zuerst auf das „Fullmetal Cruise“ Kreuzfahrtschiff. Da erkannten die Veranstalter, dass wir nette, einfache Jungs sind, und so spielten wir dann 2022 erstmals am bekannten Festival, damals auf der „Wet-Stage“. Unbestritten sind Wacken und das Hellfest natürlich tolle Promoshows für uns und auch für den Merchandise Verkauf wichtig!

Zurück zu euren Tonträgern, ich habe gehört, ihr plant wieder neue Musik zu veröffentlichen?

Ja, nach dem Debüt folgten “Moshburger” (2016), “666-Pack“ (2019) und zuletzt die EP „Moshemian Thrashody“ (2024). Ja, es muss eine neue Platte kommen, ich schreibe aktuell mit dem Gitarristen an neuem Material. Das Problem ist, wir sind nicht die aktivste Band der Welt, eigentlich eher faul. Immerhin ist unsere letzte „Full-Length“ schon 2019 rausgekommen… Unser französisches Label ist daher auch nicht mehr so freundlich mit uns. Immerhin haben sie alle bisherigen alten Veröffentlichungen von den kleinen Labels übernommen, somit den Backupkatalog. Es wird sich neben den Konzerten also verlässlich wieder etwas tun!

 

Fotos: Bernhard Schösser, Archiv Insanity Alert