Tradition, Leidenschaft und der Blick nach vorn: FC Wacker Innsbruck im Gespräch

Der FC Wacker Innsbruck zählt zu den traditionsreichsten Fußballvereinen Österreichs. Seit ich das Fußballgeschehen selbst verfolge, seit den 1980er Jahren, war bei den Heimspielen in Innsbruck klar erkennbar: Wenn „der Wacker“ top und um die Meisterschaft spielte, kamen Besucher aus ganz Tirol ins damals fast regelmäßig rappelvolle, alte Tivoli Stadion. Eine aktuelle, nicht repräsentative Umfrage des Ligaportals unter (aktiven) Spielern und Trainern mit „wer gehört in die Bundesliga?“ wies Wacker Innsbruck gerade als überlegenen Sieger aus. Der Beliebtheitsgrad des Vereins existiert also nach wie vor. Fanaufmärsche bei Unterliga-Spielen und in der Regionalliga beweisen die ungebrochene Zugkraft von Schwarz-Grün. Ziemlich genau drei Stunden vor dem Anpfiff zum ersten Spiel in der 2. Liga gegen Schwarz-Weiß Bregenz, also dem offiziellen Neustart im österreichischen Profifußball, sitze ich einem sehr entspannten Präsidenten Hannes Rauch gegenüber, um mit ihm ein wenig über die Facts und Ziele zu sprechen.

Von den Anfängen bis heute

Zusammengefasst kurz die Vergangenheit: Die Geschichte des Vereins ist von großen Erfolgen (insgesamt 10-mal österreichischer Meister und 7-mal Cupsieger, zweimal Mitropapokalsieger 1975,1976, einmal UEFA-Cup-Semifinalist 1987, einmal Viertelfinale Europapokal der Landesmeister 1978), aber auch von Fusionen, Totalzusammenbrüchen und Neugründungen geprägt. Offiziell führt der Verein 1913 als Gründungsjahr an. Nach einer zwischenzeitlichen Auflösung formierte sich der Verein 1923 unter dem Traditionsnamen neu. Nach dem Zweiten Weltkrieg startete der Wiederaufbau im Jahr 1945. In den für Wacker goldenen 1970er-Jahren etablierte sich der Verein als absoluter Top-Club in der heimischen Liga. So wurden die Tiroler fünfmal österreichischer Meister (1971, 1972, 1973, 1975, 1977). Mehrfache Erfolge im ÖFB-Cup veredelten diese Zeit. Zahlreiche internationale Highlights und legendäre Europacup-Spiele, darunter ein 1:0-Sieg gegen Real Madrid im Jahr 1971 sind unvergessen. Mitte der 1980er, man spielte als SSW Innsbruck, stellte die Sparkasse ihre Sponsoringtätigkeit ein, der zweite Hauptpartner, Swarovski, blieb an Bord. Von nun an schienen Tradition und Kontinuität in Innsbruck Fremdwörter zu sein und die Verantwortlichen wechselten noch mehrmals Vereinsnamen, Farben und Wappen. Am 20. Juni 1986 wird der FC Swarovski Tirol aus der Taufe gehoben und übernimmt die Mannschaft von SSW Innsbruck. Die Klubfarben wurden auf blau-weiß geändert. 1992 kam die Zeit des „FC Tirol“ und der Wechsel der Klubfarben auf grün-rot-schwarz. Zahlreiche Namensänderungen, teils nur geringer kosmetischer Korrektur, folgten ebenso wie verschiedene Dressenfarben, von grün-weiß über rot-weiß bis zurück zu schwarz-grün. In den Jahren 2000 bis 2002 konnte der FC Tirol, der die Nachwuchsmannschaften des FC Wacker Innsbruck übernahm, noch drei österreichische Meistertitel einfahren, unter anderem mit dem späteren sehr erfolgreichen deutschen Bundestrainer Joachim Löw als Trainer. Wie sich aber später herausstellte, handelte es sich um „Meistertitel auf Pump“ und man musste im Juni 2002 Konkurs anmelden. Der Verein wurde in der Folge aufgelöst. Nach diesen wirtschaftlichen Problemen und der Auflösung des alten Vereins wurde 2002 der heutige Verein gegründet (zunächst als FC Wacker Tirol). Seit 2007 trägt er wieder den Traditionsnamen. Nach finanziellen Turbulenzen in den 2020er-Jahren stabilisierte sich der Klub unter anderem durch eine Partnerschaft mit dem Los Angeles FC und spielt aktuell wieder in der österreichischen 2. Liga.

Hannes, wie geht es dir so kurz vor dem Anpfiff zum ersten Spiel in der 2. Liga?

Nun, alles gut. Ich erinnere mich an die Anfänge meiner Präsidentschaft, als wir hier im Tivoli vor 900 Leuten gespielt haben. Letztes Jahr im Cup gegen Rapid war das Tivoli erstmals seit langem wieder ausverkauft! Wir hatten in der Regionalliga einen Zuschauerschnitt von weit über 3.000 Besuchern pro Spiel. Das erwarten wir uns natürlich jetzt auch aktuell in Liga Zwei. Wir sehen aber bereits jetzt, bei Dauerkarten und Trikot-Verkäufen – die Marke „Wacker Innsbruck“ zieht wieder! Aber: Das ist kein Selbstläufer! Es passiert sehr viel Arbeit hinter den Kulissen, vom Management, von den Mitarbeitern, Trainern und der Mannschaft und natürlich auch sehr viel von den Ehrenamtlichen. Nur, von der Schwarz-Grünen Tradition alleine kann man sich nichts kaufen!

Als Tiroler Fußballfan war man ja in der jüngeren Vergangenheit mit den geschäftlichen Gebarungen in Innsbruck nicht immer glücklich bzw. ist eher skeptisch. Was willst du als Präsident hier anders machen?

Da bin ich schon bei meiner Grundaussage: Wacker Innsbruck ist wie ein Unternehmen zu führen. Die Historie meiner Vorgänger kennend ist für mich die wirtschaftliche Stabilität das Wichtigste. Warum können wir wirtschaftlich stabil sein? Weil wir eine große Fanbase und ein reges Publikumsinteresse haben, mittlerweile auch sehr viele Sponsoren. Der Schlüssel war aber der Einstieg unseres Partners, des Los Angeles Football Club (LA FC) 2023. Ohne diesen Partner wäre eine derartige Entwicklung unseres Vereins innerhalb von nur 3,5 Jahren nicht möglich gewesen! Daher ist mein oberstes Credo die wirtschaftliche Stabilität, aus dieser heraus kann man dann den sportlichen Erfolg entwickeln.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit dem LA FC nun vorstellen, was hat die Amerikaner motiviert, in Innsbruck einzusteigen?

Die Grundidee des LA FC war es, ein Fußballnetzwerk außerhalb der USA aufzubauen. Neben der Zusammenarbeit mit uns gibt es ein Joint-Venture mit Bayern München. Weiters eine Akademie in Gambia und eine in Südkorea. Unsere Partner entschieden sich zur Zusammenarbeit mit uns, weil man in Europa, in der österreichischen Liga, die ja für den internationalen Fußball - in die „Big 5 Ligen“ - ein gutes Sprungbrett darstellt, etwas Passendes suchte. Dazu kamen die Stadt Innsbruck, ein generell sicheres Umfeld und Land und auch die Stadioninfrastruktur. Und natürlich der Gedanke, mit einem Traditionsverein zu kooperieren. In den USA ist der Fußball ja viel jünger. Wir haben diese Ideen auf unserer Generalversammlung abgestimmt, über 98 Prozent haben sich für den Einstieg des LA FC entschieden. Wichtig ist, dass wir vor Ort einen Mitarbeiter unseres amerikanischen Partners quasi greifbar haben, mir ist und war eine Partnerschaft auf „Augenhöhe“ wichtig. Diese besteht jetzt seit mehr als drei Jahren. Die Partnerschaft zeigt sich auch in aktuell zwei Leihspielern, die wir vom LA FC erhalten haben.

Stichwort „Entwicklung“

Ganz klar ist Nachhaltigkeit das Ziel, um mittelfristig planen zu können. Bisher sind wir ja überall durchmarschiert, das kann ich jetzt nicht mehr fordern. Zuerst müssen wir in der 2. Liga richtig ankommen, wir sind ja der aktuelle Aufsteiger. Daher müssen wir mit entsprechender Bescheidenheit und Demut an die Sache herangehen, denn die anderen Vereine können auch Fußball spielen. Somit steht die Saison 2026/27 unter dem Motto. „Alles kann, nichts muss!“

Eine lange Tradition bei Wacker Innsbruck hat ja die Fankultur. Die „Verrückten Köpfe“ haben sich ja aufgelöst. Wie sieht es da aktuell aus?

Es gibt mehrere langjährige Fangruppen wie „Unterland“, „I Furiosi“ oder „Wacker unser“. Die gehen mit uns durch dick und dünn. Im westlichen Mittelgebirge hat sich gerade ein neuer Fanclub gebildet. Alle firmieren unter dem gemeinsamen Titel „Tivoli Nord“, da sie ja traditionell auf unserer bekannten Nordtribüne stehen. Auch bei Auswärtsspielen sorgen unsere Fans für unglaubliche Stimmung. Daher sind sie uns sehr wichtig, sie sind ein wesentlicher Teil unseres Projektes!

Abschließend ein kurzes Wort zum Budget?

Fußball kostet Geld, wir haben aktuell rund 6 Millionen Euro veranschlagt. Unsere Hauptsponsoren Aichner Logistik und die IKB in Innsbruck sind schon länger Partner. Heute erstmalig mit dabei ist IDM Wärmepumpen von der Pletzer Gruppe. Was aus Tiroler Sicht interessant ist: Wir haben mit Hylo am Rücken der Dressen erstmalig einen internationalen Konzern, Ursapharm aus Saarbrücken im deutschen Saarland, als Partner gewinnen können. Die sind vor 5 Tagen mit uns eine mehrjährige Partnerschaft eingegangen, was uns zeigt, dass Wacker Innsbruck über die Landesgrenzen als Verein und als Marke hinausstrahlt. Und dass seriös gearbeitet wird. Hier hat uns wieder unser Netzwerk mit LA FC und Bayern München geholfen, diesen Partner nach Innsbruck zu lotsen. Wie ich es immer formuliere: Wir haben 15 Heimspiele in der Liga, mit dem Cup noch weitere zwei, somit 17 Volksfeste im Jahr. Hier gilt es alles zu managen, Merchandise, Food & Beverage und jede Menge logistische Herausforderungen und Kleinigkeiten für zigtausend Leute, die am Spieltag hier sind. Das geht nicht ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer. Und ich möchte ausdrücklich „Danke“ sagen, dass das Ehrenamt bei Wacker Innsbruck so gut funktioniert!

Fotos: FC Wacker Innsbruck / GEPA Pictures, B.Schösser