Laura Stigger

Laura Stigger

 

Hallo Laura, stell dich doch bitte mal kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Laura Stigger, 18 Jahre alt und seit meinem sechsten Lebensjahr begeisterte Radsportlerin. Ich habe einfach große Freude an der Bewegung in der freien Natur. Überdies besuche ich das Sport-BORG in Innsbruck. Besonders erfolgreich war mein letztes Jahr, in dem ich zum fünften Mal Europameisterin wurde, zum zweiten Mal XCO-Weltmeisterin (Anmerkung: Cross-Country im Mountainbike) und dann auch noch Junioren-Weltmeisterin auf der Straße bei den Titelkämpfen in Innsbruck. Bei den Olympischen Jugendspielen holte ich im Teambewerb zusammen mit Hannah Streicher noch Silber.

Wie bist du zum Radsport gekommen?
Ich habe die Nachbarsbuben mit dem Mountainbike gesehen und mir gedacht, dass das auch was für mich wäre. Der Osterhase hat mir mein erstes Bike gebracht, und ich war sofort Feuer und Flamme. Schritt für Schritt bin ich in den Rennsport hineingewachsen. Anfangs war ich brutal oft Zweite, irgendwann konnte ich die Rennen dann aber gewinnen. Mein Team ist der URC Ötztal, in dem ich mich seit Jahren wohl fühle und von dem ich immer toll unterstützt werde. Außerdem gibt es heuer erstmals eine Kooperation mit dem Radhersteller Specialized.

Dein Metier sind "Cross Country" Mountainbike-Rennen. Wie sieht dein aktueller Wettkampfplan für 2019 aus, du fährst erstmals in der U-23, was sind deine Ziele?
Der Wettkampfplan ist ganz schön eng. Leider konnte ich in der Anfangsphase der Saison einige Rennen krankheitsbedingt nicht bestreiten. Besonders herausfordernd werden heuer die Weltcuprennen und natürlich die Europameisterschaft in Brünn und später die Weltmeisterschaft in Kanada sein. In meinem ersten U23-Jahr werde ich auch an einigen Rennen direkt in der Eliteklasse teilnehmen. Grundsätzlich geht es darum, mich sowohl in der U23 als auch in der Elite möglichst schnell zu etablieren.

Das sieht so aus, als würde heuer ein neues, interessantes Kapitel in deiner Radsportkarriere beginnen?
Ja, es wird auf alle Fälle beinhart. Ich muss, weil ich in der U23 und Elite-Klasse noch nicht so viele Punkte auf meinem Konto habe, weiter hinten starten. Die Konkurrenz ist natürlich um ein Vielfaches stärker als sie es noch bei den Juniorinnen war. Und die Renndistanz wird auch länger.

2018 wurdest du, bei deinem erst zweiten Straßenrennen, Junioren-Weltmeisterin bei den Damen bei der Heim-WM in Innsbruck. Willst du auf der Straße weiter machen, oder bleibst du beim Mountainbike? Oder planst du künftig beides wettkampfmäßig auszuüben?
Das Erlebnis bei der WM in Innsbruck war überragend und mit nichts zu vergleichen. Dennoch liegt mein Fokus jetzt wieder voll auf dem Mountainbike-Sport. Neben Schule und Mountainbike ist es ganz einfach zeitlich nicht möglich, noch eine Disziplin unterzubringen. Wir werden sehen, was geht, wenn ich im Frühjahr 2020 die Matura geschafft habe.

Was sind die Unterschiede zwischen Mountainbike- und Straßenrennen?
Auf der Straße geht's viel taktischer zur Sache. Du musst den richtigen Riecher haben, wann eine Ausreißergruppe marschiert und dann entscheiden, ob es zu diesem Zeitpunkt sinnvoll ist, mitzugehen. Auch ist natürlich die Renndistanz deutlich höher. Bei XCO-Rennen kommt es hingegen mehr auf technische Qualitäten an.

Hast du sportliche Vorbilder?
Das waren immer die Schweizerin Jolanda Neff und meine Landsfrau Lisi Osl, mit der ich auch sehr gut befreundet bin.

Spätestens seit Jan Ulrich, Marco Pantani oder Lance Armstrong hat "das große Geld" auch im Profiradsport Einzug gehalten. Wie siehst du die Verdienstmöglichkeiten im Damenradsport, gibt es generell finanzielle Unterschiede zwischen Bike und Straße?
Ganz ehrlich: Das sind natürlich große Namen im Radsport, die durch diverse Doping-Affären aber auch negativ behaftet sind. Und damit will ich nichts zu tun haben. Ich bin noch sehr jung, da habe ich mich mit den Verdienstmöglichkeiten noch nicht allzu sehr beschäftigt. Ich fahre nicht des Geldes wegen Rennen, sondern weil ich Spaß daran habe, mich im Wettbewerb zu messen.

Du gehst ja, wie eingangs bereits erwähnt, parallel zum Radsport in Innsbruck ins Sport-BORG, wie kombinierst du das alles?
Durch diesen Schultyp lässt sich das sehr gut kombinieren. Wir werden für Trainingseinheiten und Wettbewerbe vom Schulbetrieb frei gestellt. Ohne das Entgegenkommen der Schule könnte ich meinen Sport niemals in dieser Form ausüben.

Laura Stigger privat? Was sind deine Hobbys, wie entspannst du dich vom Radstress?
Da unterscheide ich mich kaum von anderen Mädchen in meinem Alter. Wobei mir halt generell der Sport großen Spaß macht. Im Winter gehe ich etwa gerne Langlaufen oder unternehme ausgedehnte Skitouren. Sonst verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden.

 

Fotos: Bettini, Leitner, Lorenzi
Text: Bernhard Schösser