Sassy

Sabine „Sassy“ Holzinger war lange Jahre die Stimme der Seer. Nun startete sie 2025 ihr eigenes musikalisches Projekt. Am 7. November erschien ihre erste CD, „Sassy“ betitelt. Zeitgleich läuft die Tour durch Österreich und Deutschland. FREIZEIT-TIROL traf sie kurz vor ihrem Auftritt in Telfs zum sehr unterhaltsamen und angenehmen Gespräch.

Sassy, du warst ja schon einige Zeit vor deinem Start bei den Seern musikalisch aktiv

Ja, das stimmt. Mit den Saltcastle Bullwashers (Anmerkung: Salzburger Stierwascher, Bildungsauftrag, wer die Geschichte nicht kennt - googeln!) ist es 1985 losgegangen. Es waren 11 wunderschöne Jahre mit Countrymusik und -Lifestyle. 1993 und 1994 wurde ich sogar zur Country-Sängerin des Jahres in Österreich gewählt. Diesen Preis habe ich immer noch. Damals freute ich mich wahnsinnig, ich hatte ein schönes Kleid an und bin mir vorgekommen wie bei einer Oskar Verleihung. Mein Vater war mit dabei, als ich in Bad Ischl den Preis entgegennehmen durfte. Im Gegensatz zu heutigen Ehrungen wusste man es damals tatsächlich nicht, wer gewinnen würde, das war sehr aufregend. Heute kannst du ja schon eine Rede vorbereiten…

Dann lockten die Seer?

Das war sehr überlaufend. Es rief mich der Chef, Fred Jaklitsch an und fragte mich: „Kannst du dir vorstellen, bei einer Mundart-Dialektband mitzusingen?“. Naja, natürlich konnte ich es mir nicht vorstellen, da Country meine Welt war, ich nur Englisch cool fand und mit meinen Cowboystiefeln schlafen gegangen bin! Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es da nebenher vielleicht noch eine andere Musik gibt. Fred erkannte, dass er das anders angehen müsste, um mich zu ködern, und reiste mit einer Musikkassette zu mir nach Salzburg. Er spielte sie mir vor und ich dachte mir: „Bist du narrisch, das ist aber schon etwas Cooles...!“. Ich denke mittlerweile ganz anders, ich war zwar in Nashville und habe die Musik dort sehr genossen. Aber deine Geschichten in deiner Muttersprache zu erzählen, das hat eine ganz andere Energie, viel mehr Kraft, viel mehr Direktheit! Ich mache mein Herz auf, singe heraus, und es kommt genauso an. Ich habe bei den Seern gelernt, wie schön das ist. Und man merkt jetzt auch, dass es wieder „in“ und „cool“ wird, Gott sei Dank! Diese Echtheit, diese musikalischen Einflüsse und das Crossover, das war es, was unseren Erfolg mit über 500 Liedern von Fred für die Seer ausgemacht hat. Es gab aber auch Anfragen, ob wir nicht hochdeutsch singen könnten. Ich meine, stell dir „Wilds Wossa“ auf Hochdeutsch oder Englisch vor, das geht gar nicht, oder?

2024 beendeten die Seer ihre Karriere

Naja, bekanntlich sollte man aufhören, wenn es am Schönsten ist. Wir waren mutig, das zu tun und im Nachhinein betrachtet denke ich, dass es die ganz richtige Entscheidung war. Denn wir durften ein Jahr 2024 erleben, mit so viel Wertschätzung, Aufmerksamkeit und ausverkauften Konzerten. Die Leute haben das gemeinsam mit uns zelebriert. Und irgendwann ist dann halt das letzte Konzert….

Wie ist es dir danach ergangen, fällt man da mental in ein Loch?

Nein, so schlimm war es nicht. Klar, du kannst nicht sagen „Verbeugen und Tschüss“! Wir wussten, wir lassen eine Ära hinter uns, schließlich waren wir 28 Jahre gemeinsam unterwegs. Klar, ich war kurz traurig und wusste „das war‘s jetzt“. Aber in ein Loch bin ich nicht gefallen, weil ich wusste, ich würde weiter Musik machen. Das war mein Lichtblick, obwohl ich noch keinen konkreten Plan hatte. Aber ich hatte die Gewissheit: Mein musikalischer Weg ist noch nicht zu Ende.

„Sassy“ ist jetzt dein aktuelles Soloprojekt, bei dem du die Chefin bist

Nun, es klingt nach Soloprojekt, ist es aber nicht. Ich bin ein Teamgeist, es war von Anfang an ein Team an meiner Seite, das an diese Sache geglaubt hast. Im März dieses Jahres verstarb mein Vater, für mich ein Schicksalsschlag. Da sind deine Gedanken nicht bei „wann ist der erste Auftritt?“. Ich hatte Gott sei Dank Menschen, die das für mich „angerichtet haben“. Ich muss das wirklich so sagen! Es gab ein super Songwriting Team, allen voran Thorsteinn Einarsson, der sich Gedanken darüber gemacht hat, welche Nummern für mich passen könnten. Wir haben sehr viel kommuniziert, ich habe ihm aus meinem Leben erzählt, so ist auch meine erste Single, „Mama wü tanzen“, entstanden.

Diese Nummer ist ja auch auf der Anfang November erschienen ersten eigenen CD „Sassy“ enthalten. Wie würdest du die Scheibe charakterisieren?

Es ist ein sehr persönliches Album geworden, da es für mich ein sehr bewegtes Jahr war. Der Abschied vom Papa, das war für mich wirklich eine Challenge, aber es gibt zwei Lieder für ihn. Ich habe alle meine Emotionen und Erlebnisse in die Musik reingepackt, ich finde es schön, dass die erste CD gleich etwas ganz Persönliches wird! Insgesamt sind es 11 Titel, die wir alle auch live auf der Bühne spielen. Die Titel gehören raus, unter die Leute! Ich bin darauf sehr stolz, ich denke, das bin jetzt ich, das ist jetzt meine Musik. Diese gestaltet sich sehr vielseitig, mit einer Ballade, mit Blues, es gibt einen Song für meinen Sohn, ein wenig Italo-Style, einfach alles. Wir merken live, wie toll sich die Nummern präsentieren lassen und wie sie bisher alle sehr gut angekommen sind. Das freut uns besonders!

Stichwort „Tour“, wie viele Shows sind aktuell geplant?

Wir haben 22 Termine in Österreich und Deutschland. Der Tourstart erfolgte am 07. November in Eisenstadt, nach einem Jahr kompletter Bühnenabstinenz. Diese Pause hat mir aber sehr gutgetan. Ich spüre eine große Wertschätzung vor der Bühne, und habe Respekt vor dem, was ich machen darf. Und ich bin sehr glücklich über meine neue Band. Es sind für mich Wegbegleiter, die ich schon über 10 Jahre kenne, mit denen ich nun endlich live zusammen spielen darf. Mit dabei und im Einsatz ist die legendäre Steel-Guitar aus der Bullwashers-Zeit vom leider 2019 verstobenen "Berty Bull".

Du hast auf Facebook eine ziemlich starke Präsenz mit aktuell rund 17.500 Followern. Wie gehst du damit um?

Nun, ich musste mich einfach an diese für mich neue Medienlandschaft gewöhnen. Die allermeisten der Leute begleiten mich wohlwollend, was mich unheimlich freut. Ich bin begeistert, wie die Zahlen auf Facebook und Instagram anwachsen, wie die Leute teilen und posten. Das ist sehr cool, ich denke als Künstler brauchst du heutzutage diese Sichtbarkeit. Selbst wenn du das tollste Produkt hast, musst du diese Kanäle nutzen. Wenn jemand meint, er muss sich irgendwie negativ oder unangebracht äußern, soll er das. Warum soll ich mir über einen Menschen Gedanken machen, dem ich eigentlich auch egal bin, er muss sich selber um sein Leben kümmern!

Jetzt bist du mit 59 Jahren sozusagen „Newcomerin“. Gibt es für Sassy einen persönlichen Zeitplan?

(Lacht). Es ist nie zu spät, nicht für die Liebe und nicht für einen Neustart! Ich denke, wichtig sind immer meine Zuseher. Da ich jetzt starte, kann es sein, dass es jetzt erst richtig losgeht. Da höre ich dann nicht nächstes oder übernächstes Jahr auf. Wie Udo Jürgens sagte: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!“. Das Allerwichtigste ist natürlich die Gesundheit. Solange die Leute Interesse an mir haben, so lange uns coole Lieder einfallen, werde ich Musik machen. Ich habe einmal gesagt: „Ich kenne mich ohne Musik nicht, ich kann nicht nicht Musik machen!“. Und das geht sicher bis ins hohe Alter. Vielleicht irgendwann dann sitzend, momentan springe ich noch fröhlich herum und genieße das, was ich auf der Bühne machen darf!

www.sassy.at

Text: Bernhard Schösser

HIER gehts zur Fotogalerie!