Make some Noise!

Die Dead Daisies auf großer "Live and Louder" Europatour - zu Gast im Rockhouse in Salzburg! Nichts wie hin! Als Beifahrer und mentale Unterstützung auf der langen, durch Grenzkontrolle und Baustellen erschwerten Reise, fungiert dieses Mal "The One and only livin` Legend" Günther "Machete" Kofler. Immerhin ein Mann, der in seinem Leben auf mehr als 1.000 Konzerten bis auf die Beatles schon alles Relevante live rund um den gesamten Globus erlebt hat!

Tatsächlich prangt bei unserem Eintreffen das "Sold Out" Schild an der Scheibe der Abendkassa, was mich jetzt auf Grund der Qualität der Daisies aber nicht wirklich überrascht. Zahlreiche bekannte Gesichter aus Innsbruck und Umgebung sind auszumachen, und auch der "No Bros Fanclub Chef" Karl Starkl hat die Reise aus der Nähe von St. Pölten auf sich genommen, um sich das zu erwartende musikalische Schmankerl einzuverleiben!

Los geht`s mit der Gruppe Homeless Kings aus dem bayrischen Traunstein. Holla die Waldfee, die vier Youngsters ballern aber schon ordentlich einen in die gut gefüllte Halle! Eine erdige Mischung aus Metal und Punk wird da verabreicht, die Resonanz beim Publikum ist für die erste von zwei Vorbands bereits ausgezeichnet! Die vier Herren Dominik Dell, Erich Winkler, Andreas Loipfinger und Josef Gappmaier machen an diesem Dienstagabend in Salzburg einen ausgezeichneten Job, geografisch sollten sie anlässlich ihrer Singleauskopplung im September auftrittsmäßig durchaus den Radius erweitern, und künftig auch mal in unseren Breiten spielen...!

Kurzer Umbau, die Damen von Thundermother, als regulärer Dead Daisies Toursupport, sind nun an der Reihe! Vier junge Schwedinnen, die - Nein, meine Herren, alle testosterongetränkten Fantasien ausblenden - nicht dem Klischee der "Schweden-Hasen" entsprechen, und tatsächlich nicht so knackig aussehen wie die jungen Europe vor 30 Jahren...! Stattdessen spielen hier vier selbstbewusste Damen den von den Homeless Kings eingeschlagenen Weg souverän weiter: Es kracht und rockt an allen Enden! Titel wie "We fight for Rock N Roll" sind zwar nicht so revolutionär wie die seinerzeitige Erfindung des geschnittenen Brotes, doch sind sie genau das, was den Temperatur- und Spaßpegel der Besucher heute weiter nach oben treibt! Ich würde bei der Musik der Schwedinnen auf eine Mischung "AC/DC meets Girlschool" tippen, das passt und gefällt! The "Captain of the Ship" bei Thundermother, Gitarristin Filippa Nässil, wandert sogar Gitarre-spielend durch die mittlerweile sehr volle Halle, und Drummerin Emlee Johansson, die an diesem Tag ihren Geburtstag feiert, bekommt, sichtlich glücklich, von den zufriedenen Fans im Publikum noch ein fettes "Happy 2 You" verabreicht! Zur Sicherheit habe ich mir jetzt mal die CD "Road Fever" bestellt, um die Donnermütter weiterhin präsent zu haben.

Tja, was soll man über die "All-Star-Band" des heutigen Abends groß schreiben? Die Dead Daisies bringen alleine durch das musikalische Vorleben der Mitglieder mehrere Seiten Lobhuldigungen und verbale Kniebeugen zusammen, mittlerweile drei Studio-Langdreher und das aktuelle Live-Album "Live and Louder" dokumentieren die Klasse dieser Truppe mehr als hinlänglich. Also, kurz nach 22 Uhr entern die Helden die Bühne, das Rockhouse ist mittlerweile knacke voll, und "Long Way To Go" macht den Opener! The "Blonde Boy" Doug Aldrich links an der Gitarre, Marco Mendozza, der ununterbrochen pumpende und groovende Basser halb rechts, Drummer Brian Tichy mit solidem Groove und Spaß von hinten heraus und Sänger John Corabi steigen zusammen mit dem Publikum im Rockhouse gleich voll ein! Kurzfristig eingesprungen für den wegen familiärer gesundheitlicher Probleme nach Hause gereisten Gitarristen David Lowy ist Yogi Lonich (in der Vergangenheit u. a. bei Buckcherry, Chris Cornell oder Melissa Etheridge tätig), der in Salzburg seine zweite Show mit den Dead Daisies spielt, das Ganze komplett ohne Proben!

Respekt! Anfänglich wirkt der gute Mann daher noch etwas deplatziert und hüftsteif, im Laufe der Show taut er jedoch auf, wird vom Spaß der Mitstreiter angesteckt, und gegen Ende artet der Auftritt in eine wahre Plektrum-Wurf-Orgie aller Musiker aus! "Mexico" (vom Langdreher "Revolution") und das aktuelle "Make Some Noise" bringen die Menge auf Anschlag und die Party ist in vollem Gange. Eine Granate nach der anderen wird gezündet, die Daisies verstehen es, Harmonien, Druck und Groove zu vereinen, und vermitteln den Besuchern zudem noch eine Menge Spaß bei dem, was sie da oben auf der Bühne tun. Speziell Drummer Brian Tichy knallt, wenn er nicht gerade seine Drumsticks gegen die Hallendecke starten lässt, zahlreiche Fills und groovige Elemente in sein Drumming, dass es eine wahre Freude ist! Dementsprechend sinnlos finde ich daher das Drumsolo nach "Last Time I saw the Sun", ein weiterer Song wäre wohl interessanter gewesen, da Tichy ohnehin niemandem mehr beweisen muss, dass er einer der ganz Großen seiner Zunft ist. Was soll`s, das ist Jammern auf höchstem Niveau, das folgende Who-Cover "Join together" versöhnt mich schlagartig wieder mit der Welt. Was bereits auf der Live-CD zu hören ist, kommt auch heute in Salzburg gut an: Kommunikator Corabi stellt seinen "New-Friends" die "Old-Friends", also die Band, vor, das Ganze mit kurzen musikalischen Zitaten altbekannter Klassiker untermauert.

So fegen "La Bamba", "Run to the Hills" oder "Headless Cross" über die Bühne und alle haben sichtlich Spaß dabei. Das folgende "Mainline" knallt dann so richtig rein, und "Helter Skelter" von den Beatles wird dermaßen geil gespielt, dass Mötley samt ihrer damaligen Glanzzeit zu vergessen sind! Corabi beweist gerade bei diesem Song eindrucksvoll seine stimmlichen Qualitäten, von "ganz sanft" wird übergangslos auf "Vollgas" gewechselt! Mit veredelten Coverversionen beenden die Daisies dann auch den Abend: "American Band" und "Midnight Moses" bringen das Rockhouse nochmals auf die Beine und in Bewegung, bevor nach dem vielumjubelten "Highway Star" endgültig die Lichter ausgehen. Fazit: Ein wahrlich denkwürdiges Konzert einer Band, bei der nicht nur ich das Gefühl habe, dass sie aktuell eine der wenigen Vertreter ihrer Zunft ist, mit denen man in Zukunft auch vermehrt auf großen Bühnen rechnen kann. Eine derartige musikalische Vollbedienung von solchen sympathischen Ausnahmekönnern habe ich selten erlebt. Somit steht einmal mehr zu hoffen, dass sich die Dead Daisies künftig auch nach Tirol verirren werden, Marco Mendozza und John Corabi waren ja schon dort: in Telfs"Rock" City"!


Redakteur: Bernhard Schösser