Deep Purple – Turning To Crime

Nachdem sie in der näheren Vergangenheit konstant starke Alben abgeliefert hatten, überraschen Deep Purple mit „Turning To Crime“ mit dem ersten reinen Coveralbum ihrer 53-jährigen Karriere. Ich darf anmerken, dass mich mit Ausnahme von Metallica und ihren „Garage Days“ noch jedes Coveralbum gelangweilt bis genervt hat, dementsprechend nieder wurde die Latte vor dem ersten Durchlauf angelegt. Doch bereits das „kriminelle“ Artwork der Scheibe weiß zu gefallen. Spätestens ab den ersten Takten des Openers „7 And 7 Is“ (aus 1966 vom Love-Frontman Arthur Lee geschrieben) taucht man in eine Welt der bandeigenen Vergangenheit ein, in eine Welt voller nostalgischer Perlen, die mit der Deep Purple Trademark musikalisch veredelt und von Produzent Bob Ezrin schon fast genial produziert wurden. In diesem musikalischen Sammelsurium finden sich Klassiker aus der Hochzeit des „Classic Rock“ wie etwa The Yardbirds’ „Shapes Of Things“, Fleetwood Macs „Oh Well“ oder Creams „White Room“ ebenso wie (für unter 60-jährige) relativ unbekannte Nummern. Somit und wohltuend nicht die „üblichen Verdächtigen“…!

Im Lockdown wurde das gesamte Album an verschiedensten Orten einzeln von den Musikern in deren Homestudios eingespielt: Bass-Legende Roger Glover gibt den Takt am Viersaiter vor, Ian Paice zimmert den unverwechselbaren Purple - Drummsound ein, Steve Morse und Don Airey sind für die gelungenen instrumentalen Ausflüge zuständig, ohne in reine Selbsthuldigung und Instrumentalonanie abzugleiten. So baut Airey im zweiten Track, "Rockin' Pneumonia and the Boogie Woogie Flu" (ursprünglich von Huey „Piano“ Smith 1957) eine klitzekleine "Smoke On The Water"-Hommage ein, eine amtliche Brass-Sektion veredelt den Song zusätzlich. Über allem thront Ian Gillan mit seiner charismatischen Stimme, unverkennbar! Eine weitere Perle stellt „Jenny Take A Ride“ dar: Ursprünglich von Mitch Ryder, 1970, wird der dahingaloppierende Rhythmus mit Gitarren- und Piano/Bontempi-Soli veredelt, Bumm, das fegt! Sehr gelungen auch der Big Band-Brass auf "Let The Good Times Roll", ein swingender Evergreen von Sam Thread, in Sachen Message und Leichtigkeit das Herzstück der Platte! Das folgende "Dixie Chicken", 1973 von Little Feat geschrieben, groovt ohne Ende. „Shapes Of Things“ wurde schon erwähnt, Purple veredeln auch diesen Klassiker perfekt! In die Welt des Country taucht „The Battle Of New Orleans" (von Jimmy Driftwood) ein, hier zeigen die Hardrock-Ikonen ebenfalls Spielfreude und Spaß.

Schon eingangs genannt: Cream und „White Room“ stellt eines meiner persönlichen Highlights auf „Turning Into Crime“ dar: Don Airey und Steve Morse duellieren sich vor dem massiven Rhythmusteppich, Gillan singt, als ob es seine ureigenste Komposition wäre – Chapeau mit Ausrufezeichen! Das abschließende "Caught In The Act" ist ein mehr wie gelungenes, instrumentales Medley, bestehend aus Material von Freddie King, Booker T & The MG`S, The Allman Brothers, Led Zeppelin und der Spencer Davis Group, mit fließenden Übergängen, ein Dorado zum Titelraten! So machen Deep Purple in der Mark VIII Besetzung nach ihren glänzenden letzten Veröffentlichungen „Now What“, „inFinite“ und „Whoosh“ (Review hier) und Ian Gillans Soloausflug mit den Javelines (Review hier) mit dem nahezu perfekten „Turning To Crime“ eindrucksvoll klar, dass Alter relativ ist und man nach wie vor nicht gewillt ist, in Rente auf der Parkbank Tauben zu vergiften. Wir freuen uns auf weitere Großtaten und kommende Konzerte!

Redakteur: Bernhard Schösser